WirtschaftVerteidigter Kapitalismus

Vor allem seit den jüngsten Finanzkrisen misstrauen viele Menschen dem kapitalistischen Prinzip, auch wenn eine gerechtere Art des Wirtschaftens nicht in Sicht ist. Gerade Christen fragen: Müsste es nicht etwas anderes geben als ein System, das grundlegend auf Gewinnmaximierung ausgelegt ist, das Gier belohnt und bei dem die Schwachen unter die Räder kommen? Papst Franziskus hat sich an die Spitze der Kapitalismuskritiker gestellt. In seinem Schreiben „Evangelii Gaudium“ beklagt er: „Diese Wirtschaft tötet. Es ist unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte in der Börse Schlagzeilen macht.“

Dieses Buch ist eine Verteidigungsrede des Kapitalismus. Samuel Gregg, Moralphilosoph und Wirtschaftsfachmann aus Amerika, fragt: „Sind pauschale und oft uninformierte Verurteilungen wirklich alles, was Christen hier anzubieten haben?“ Der Autor fordert „Demut“ von den Finanzmarkt-Kritikern vor allem aus der Kirche. Er ruft dazu auf, die positiven Eigenschaften des Kapitalismus zu würdigen.

Gregg beginnt mit einem Blick in die Geschichte. Demnach waren es meistens Christen, die das Finanz- und Bankenwesen voranbrachten, stetig modernisierten. Ausführlich behandelt er strittige Punkte wie Spekulation, hohe Managergehälter, die Bankenrettung. Er kommt zu dem Schluss, nichts davon sei an sich schlecht oder böse. Christen dürften und sollten in der Finanzwelt mitmischen. Immerhin räumt er ein, dass für sie andere Maßstäbe gelten, etwa eine stärkere Orientierung am Gemeinwohl. Warum die Geschichte des Kapitalismus mit Ausbeutung und Massenelend einherging, klärt er zu wenig auf. Warum die beschleunigte Kapitalakkumulation, die gefährliche Ungleichgewichte produziert hat und weiter produziert?

Es ist ein sehr amerikanisches Buch: locker im Ton, mit vielen Beispielen, Zitaten, Zuspitzungen. Man wird die positive Sicht auf den freien Markt nicht in allem teilen. Sind es wirklich nur „Missbräuche und menschliches Fehlverhalten“, die zu Systemkrisen führen? Oder wurzeln die Katastrophen des Massenelends nicht doch systemimmanent? Bei aller Einseitigkeit: Greggs Buch kann die eigene Argumentation schärfen.

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