Christlicher Glaube

Glaubensfragen

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  • Buße

    Buße (sprachlich zusammenhängend mit Besserung) bezeichnet in spezifisch christlichem Sinn das richtige, von Gott dem Menschen geschenkte Verhalten in Gesinnung und Aktivitäten gegen die Sünde.

  • Erlösung

    Erlösung bezeichnet das letztgültige Ziel des christlichen Glaubens: Gottes Handeln, um den Menschen und die Welt von allem Negativen zu befreien.

  • Gott

    Gott entzieht sich jeder Definition. Es ist auch nicht möglich, einen gemeinsamen Gottesbegriff der verschiedenen Kulturen und Religionen zu formulieren.

  • Heil

    Heil (gotisch = ganz, vollständig) ist ein zentraler religiöser Begriff für das von allen Religionen Erwartete oder Verheißene: eine subjektive, existentielle Heilung und Erfüllung des Menschen, das Ganzsein des Lebens.

  • Himmel

    Himmel begegnet in religiös-theologischen Texten in zweifacher Bedeutung.

  • Jesus Christus

    Das Kind Jesus erhielt seinen Namen bei der Beschneidung. Jesus ist die griechische Form von hebräisch „Jehoschua“ kurz „Joschua“ und bedeutet JHWH wirkt Rettung.

  • Kreuz

    Der Tod und die Auferstehung Jesu ist der Kernpunkt des christlichen Glaubens, da Jesus mit seinem Tod am Kreuz die Menschen von ihren Sünden befreit hat und ihnen ermöglicht, mit Gott, dem Vater und Schöpfer allen Lebens, in Gemeinschaft zu treten. Daher ist auch das Kreuz das wichtigste Symbol aller christlichen Kirchen.

  • Nächstenliebe

    Das Gebot der Nächstenliebe nimmt eine zentrale Stellung innerhalb der christlichen Ethik ein. In Unterscheidung und zugleich in Abhängigkeit von der Gottes- und Selbstliebe beschreibt die Nächstenliebe die jedem Christen aufgegebene, unvoreingenommene Zugewandtheit zum bedürftigen Mitmenschen in seinem unmittelbaren Umfeld.

  • Schuld und Vergebung

    Ein Leben ohne Schuld gibt es nicht. Vor einer möglichen Vergebung gilt es, sie sich selbst einzugestehen: Wo bin ich schuldig geworden? Wo verweise ich auf andere, um mich zu entlasten? Ganze Nationen können schuldig werden, wie die Deutschen zur Zeit des Nationalsozialismus oder die Amerikaner und Südafrikaner mit ihrer Diskriminierung von Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Und doch kann ein Neuanfang gelingen, individuell und kollektiv.

  • Sünde

    Sünde ist ein spezifisch religiöser und theologische Begriff (heute weitgehend säkularisiert), der die freie und bewusste, also voll verantwortliche und existentiell radikale Entscheidung gegen den eindeutig erkannten Willen Gottes bezeichnet.

Religiöse Feste

  • Advent und Weihnachten

    Für die meisten Menschen bedeuten Advent und Weihnachten heute vor allem eine Unterbrechung im Jahr, in der Zeit für Familie und Gemütlichkeit ist. Diese Prägung, die selbst säkulare Menschen so empfinden, ist vom ursprünglichen, religiösen Kern des Festes nicht so weit entfernt. Christen feiern an Weihnachten die Geburt Jesu. Gott wird zum Mensch und verspricht damit eine neue Zukunft, in der Sünde und Tod keine Macht mehr haben. Das macht die Weihnachtsbotschaft aber auch zu einer radikalen und politischen Botschaft.

  • Erstkommunion

    Die Feier der Erstkommunion ist in vielen katholisch geprägten Familien ein wichtiger Bestandteil der kirchlichen Praxis. Auch in jenen, die tendenziell kirchenfern sind, werden die Feste oft gefeiert, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, Teil der Gemeinschaft der Gläubigen zu werden. Als Erstkommunion bezeichnet man in der römisch-katholischen Kirche das Empfangen der Hostie, also dem Brot, welches bei der Eucharistie bzw. dem Abendmahl als Leib Christi verstanden wird.

  • Was ist Pfingsten?

    Ausgießen des Heiligen Geistes? War da nicht was mit einer Taube? Oder die Sache mit dem Ende der Sprachverwirrung? Pfingsten ist kein einfaches Fest.

  • Trinität, Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit: Kurz erklärt

    Es ist ein Gott, aber wir können ihn auf verschiedene Weise erfahren. Der erste Sonntag nach Pfingsten heißt in der Westkirche Trinitatis (von lateinisch trinitas = Trinität, Dreieinigkeit). In den orthodoxen Kirchen ist das Pfingstfest auch das Fest der Dreifaltigkeit. In der evangelischen Kirche werden die Sonntage von Trinitatis bis zum Ende des Kirchenjahrs als Sonntage „nach Trinitatis“ gezählt, während sie in der katholischen Kirche als Sonntage im Jahreskreis bezeichnet werden, zu denen neben der Zeit nach dem Dreifaltigkeitsfest auch die Sonntage zwischen dem Weihnachtsund dem Osterfestkreis gehören.

Eine Vertrauensbekundung

Glaube (sprachlicher Zusammenhang mit „geloben“, „verloben“, „sich anvertrauen „) heißt im allgemeinsten Sinn, die Äußerungen einer Person im Vertrauen auf sie frei anzunehmen („ich glaube dir“). Beim Glauben handelt es sich immer um ein dialogisches Beziehungsgeschehen zwischen Personen, dessen Gelingen oder Misslingen völlig von der Glaubwürdigkeit dessen, dem geglaubt wird, abhängt. Glaube in diesem Sinn unterscheidet sich von dem Beweiswissen, das auf Überprüfbarkeit beruht, von dem bloß unverbindlichen Meinen, das kein Beziehungsgeschehen ist („ich glaube, morgen wird es regnen“), und von dem grundlosen Paradox eines „blinden“ Vertrauens (infantiler Verzicht auf eine eigene Entscheidung).

Der religiöse Glaube im Sinn der jüdischen und christlichen Tradition kommt mit diesem Glauben im allgemeinsten Sinn darin überein, dass er eine Vertrauensbekundung gegenüber den Zeugen einer Offenbarung Gottes ist, die dem Glaubenden als glaubwürdig erscheinen. Ein Missverständnis dieses religiösen Glaubens wäre es, würde man ihn als willentliche Zustimmung zu einer Lehre oder Information im Bereich der Vernunft verstehen, bei der Gott (oder die ihn vertretende kirchliche Autorität) ein äußerlich bleibendes Glaubensmotiv bliebe. Die Kundgabe des biblischen Gottes ruft alle Dimensionen des Menschen an und sucht sie auf diesen Gott hin zu orientieren, und zwar aus dem Grund, weil sie Liebe ist (Selbstmitteilung Gottes, Gnade). Dieser Gott beansprucht das weitere Leben des zum Glauben gekommenen Menschen und gibt sich in seiner Liebe als das letzte, einzige, alle Hoffnung in sich erfüllende und übertreffende Ziel des Menschenlebens kund.

Biblisch

a) Die Glaubenszeugnisse des Ersten Testaments sprechen durchwegs von diesem Beziehungsgeschehen zwischen Gott und seinem Volk sowie seinen individuellen Getreuen. Der Vorgang des Glaubens im theologischen Sinn wird meist mit „he’emin“ wiedergegeben, „festen Stand gewinnen in“, „sich festmachen in“. Erzählend wird vom Glauben oder der Verweigerung des Glaubens im Hinblick auf das Geleit des Volkes durch JHWH berichtet. Sobald sich die Hoffnung auf eine endzeitliche, unwiderrufliche Heilsfülle richtet, wird der Glaube an die entsprechende Verheißung JHWHs als Bedingung für die Erlangung dieses Heils verkündet (z. B. Jes 7, 9; 28, 16; Dan 6, 24; Jona 3, 5 u. ö.); Vorbild für dieses unerschütterliche Vertrauen im Glauben ist Abraham. Der Glaube kann sich auch auf die Tora als Willensbekundung Gottes (Ps 119, 66) und auf die Boten Gottes (Ex 14, 31; 2 Chr 20, 20) beziehen. Für den gläubigen Juden ist es eine Selbstverständlichkeit, dass der Glaube sich konkretisiert im Gehorsam gegenüber den Weisungen der Tora und in der Durchprägung aller Dimensionen des öffentlichen und privaten Lebens. Besonders hervorgehobene Inhalte des jüdischen Glaubensbekenntnisses sind die Einzigkeit Gottes (Monotheismus) und die Rettung aus der Knechtschaft in Ägypten. Die Erfahrung von Katastrophen hat in biblischer Zeit den Glauben noch nicht (wie „nach Auschwitz“) zum Gegenstand bedrängender Fragen gemacht; ungebrochen war die gläubige Hoffnung auf eine Erlösung, die dem Volk JHWHs und allen einzelnen Angehörigen Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden bringen würde.

b) Im Neuen Testament wird der Glaube, so wie in der LXX, mit „pisteuein“ bzw. „pistis“ wiedergegeben: sich in absolutem Vertrauen und Gehorsam in Gott festmachen. Gebete, die sich in solchem Glauben auf Gott verlassen, werden erhört werden (Mk 11, 24 par. u. ö.); ein solcher Glaube „versetzt Berge“ (Mk 11, 23 par.; Lk 17, 6 par.). Diskutiert wird, ob der Glaube, von dem im Zusammenhang mit Heilungen die Rede ist, Vorbedingung eines Wunders ist (Mk 5, 36 par.; 6, 6 u. ö.). Zweifel und „Kleinglauben“ der Jünger werden öfters getadelt. Die Apg versteht unter Glauben vorzugsweise die Annahme des verkündigten Wortes Gottes. Bei Paulus steht der Glaube im Zusammenhang mit Bekehrung, gehorsamem Vertrauen, Annahme des Evangeliums, Bekenntnis. Der Glaube richtet sich auf das Kreuz (1 Kor 1, 18), erwirkt als Gnadengeschenk Gottes die Rechtfertigung der Sünder (Gal und Röm) und wirkt sich aus in der aushaltenden Treue auch im ungerechten Leiden (1 Thess 1, 7 ff.; 3,1–10). Jak 2, 14–26 wendet sich gegen ein Verständnis des Glaubens als bloßes „Fürwahrhalten“. Im übrigen ntl. Schrifttum ist der Glaube wie bei Paulus die Voraussetzung für die „eschatologische" Rettung. Der Glaube an Gott bzw. an Jesus schenkt schon jetzt das Ewige Leben (Joh 3, 16 ff.: 14, 1; 20, 30 f.).

Theologiegeschichtlich und systematisch

können hier nur Grundzüge skizziert werden.

a) In der Theologie der alten Kirche wurde der Glaube als vertrauendes Verständnis der in AT und NT bezeugten Geschichte als Heilsgeschichte und als Gabe Gottes aufgefasst, die den Menschen zum Glauben als Annahme des Evangeliums führt. So lässt er sich unterscheiden in den Akt der Zustimmung zum Glaubensbekenntnis und als daraus folgende getreue und kompromisslose Lebensform. Die äußeren Umstände machen eine gewisse Konzentration auf die „objektive Lehre“ notwendig: Regula fidei. Der Glaube in diesem Sinn heißt bei Augustinus († 430) der „geglaubte Glaube“ („fides quae creditur“). Daneben verliert das Moment des biblischen Glaubens im Sinn von „festmachen in“, „festen Stand gewinnen in“ nicht an Gewicht. Es wird in der Kirchenvätertheologie verbunden mit dem Wunsch, Einsicht in das Geglaubte zu gewinnen (augustinisch: der „glaubende Glaube“, „fides qua creditur“), von Gott in einem pädagogischen Prozess ermöglicht, der dem Menschen Erleuchtung des Verstandes und vertiefte Erkenntnis schenkt, so dass Zustimmung zum Glauben und Denken nicht in Widerspruch geraten (augustinisch: „der Glaube, der nach Einsicht sucht“, „fides quaerens intellectum „, bei Anselm von Canterbury †1109 programmatisch fortgeführt). Letztlich sind für Augustinus nicht Einzelwahrheiten im Zentrum des Glaubens, sondern Gott ist Gegenstand, Motiv und Ziel des Glaubens schlechthin („credere Deum, Deo, in Deum“).

b) Die mittelalterliche Glaubenstheologie war vom Erbe der Kirchenväterzeit, vor allem dem augustinischen, geprägt. Platon († 347 v.Chr.) hatte den Glauben als bloßes Meinen gegenüber dem wissenden Erkennen abgewertet. Thomas von Aquin († 1274) zeigte dagegen im Anschluss an Aristoteles, der eine glaubende Voraussetzung (Zustimmung zu Prinzipien) vor allem Wissen angenommen hatte, dass Glaube eine dem Wissen überlegene Gewissheit vermittelt, die aus der Evidenz der „Ersten Wahrheit“ hervorgehe. So ist der Glaube für Thomas eine praktische Gewissheit ohne Fundierung in zwingenden Beweisen. In seiner Analyse des Glaubensaktes verstand er diesen als bejahende Annahme der Offenbarung Gottes, von einer willentlichen Energie getragene Verstandeszustimmung, wobei die Gnade Gottes es ermöglicht, in der Offenbarung die Heilswahrheit zu erkennen und vom Glauben als Akt weiterzugelangen zum Glauben als Lebenshaltung, als Tugend. Das Wesentliche des Glaubensinhalts besteht für Thomas in dem und nur in dem, was Menschen „direkt auf das ewige Leben hinordnet“. Im bloßen Fürwahrhalten (der „fides informis“) ist erst der Ansatz dazu gegeben; erst der „durch Liebe durchformte Glaube“ („fides caritate formata“) bewirkt „den Anfang des ewigen Lebens“. Für Thomas ist der Glaube daher zum ewigen Heil notwendig. Besorgt um das Heil der Nichtglaubenden unterschied er beim rechtfertigenden und rettenden Glauben zwischen „ausdrücklichem Glauben“ („fides explicita“) und „einschlussweisem Glauben“ („fides implicita „). Mit einer Tradition vor ihm hielt er Hebr 11, 6 für die Formulierung des Minimums an Glaubensinhalt („denn wer sich Gott nahen will, muß glauben, dass er ist und denen, die ihn mit Ernst suchen, ein Belohner wird“). Für den einschlussweisen Glauben genügte es ihm, wenn ein Mensch das Gute um des Gutes willen tue, das Wahre um des Wahren willen bejahe (einschlussweise Bejahung Gottes als des schlechthin Guten und Wahren).

Die wesentlichen Elemente dieser Glaubenstheologie prägen die amtliche katholische Auffassung des Glaubens bis zur Gegenwart.

c) Für M. Luther († 1546) trat die „objektive“ Seite des Glaubens hinter der „existentiellen“ zurück. Glaube war für ihn die Aneignung des Gerichts- und Gnadenspruchs Gottes im Evangelium (Fiduzialglaube, Rechtfertigung). Das Konzil von Trient sah den Glauben als Moment in einem Prozess: Der vom Hören kommende Glaube ist Annahme der göttlichen Offenbarung, aber erst der Anfang der aus Gnade geschenkten Rechtfertigung; ohne Hoffnung und Liebe ist er, obwohl aus Gnade gewirkt, tot. So stand Trient hinsichtlich des Glaubens nicht in einem grundlegenden Widerspruch zu Luther; es weigerte sich lediglich, Glaube und Rechtfertigung zu identifizieren.

d) Während die spät- und neuscholastische Theologie beim Glauben die Aspekte des willentlichen Gehorsams und der Verstandeszustimmung zu einer „instruktionstheoretisch „ verstandenen Offenbarung betonte (abgerundet im I. Vaticanum), setzte zunächst im nichtkatholischen Bereich der Theologie der Neuzeit eine Akzentverlagerung ein, vom „dogmatischen Glauben“ zum „Herzensglauben „, auf die in der Mystik schon immer bekannte Ebene der Erfahrung, der Betroffenheit und Ergriffenheit. Eine ev. Linie führt von F. Schleiermacher († 1834) über S. Kierkegaard († 1855) zu R. Bultmann († 1976) (Entmythologisierung, sachgemäßer „existentiale Interpretation“). Bei der allmählichen Überwindung der einseitig intellektualistischen Glaubensauffassung der Neuscholastik spielte im katholischen Bereich der Personalismus eine große Rolle; er führte von einem „Dass-Glauben“ zu einem „Du- Glauben“.

e) Die neuzeitlichen Infragestellungen des Glaubens mit ihrem Beharren auf „Ausweisen“ (von der Aufklärung bis zum Kritischen Rationalismus) bewirkten zunächst eine Abkehr von einem autoritären Glaubensverständnis und eine neue Aufmerksamkeit für innere Evidenzen (die „Augen des Herzens“, Immanenzapologetik, Gnadenerfahrung). Hand in Hand damit ging eine neue, Gottes absolute Souveränität respektierende Hinkehr zum universalen wirksamen Heilswillen Gottes, der zur „eschatologischen“ Rettung der Menschen noch andere Wege als den Glauben kennt. Dies ermöglichte es den christlichen Kirchen, Religions- und Gewissensfreiheit anzuerkennen. Erst allmählich wurde in Kirchen und Theologie bewusst, wie tief die Erschütterung des Glaubens infolge des Versagens der Glaubenspraxis in den Katastrophen des 20. Jh. ist. Sie hat nicht nur eine Glaubenskrise herbeigeführt, sondern angesichts des Schweigens Gottes eine Gotteskrise geoffenbart. In dieser Situation gewinnt die der Zukunft zugewandte „Hoffnungsstruktur“ des Glaubens neue Bedeutung.

Quelle: Herbert Vorgrimler: Neues Theologisches Wörterbuch, Neuausgabe 2008 (6. Aufl. des Gesamtwerkes), Verlag Herder

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