Nikolaus von KuesErbarmen, Bewegen

Dein Erbarmen ist nichts anderes als Dein Sehen. Dein Erbarmen folgt also jedem Menschen, solange er lebt, wohin er sich auch begibt, so wie auch Dein Blick nie jemanden verlässt. Solange also ein Mensch lebt, hörst Du nicht auf, ihm zu folgen und ihn in lockender innerer Ermahnung anzuspornen, dass er vom Irrtum ablasse und sich zu Dir hinwende, damit er glücklich lebe. Du, Herr, bist der Gefährte meines Pilgerweges! Wohin ich auch gehe, Deine Augen sind immer über mir.

Dein Sehen ist aber auch Dein Bewegen. Du bewegst Dich also mit mir, und Du hörst nie mit der Bewegung auf, solange ich mich bewege. Wenn ich ruhe, bist Du mit mir. Steige ich empor, steigst Du empor; steige ich hinab, steigst Du hinab. Wohin ich mich wende, Du bist da (vgl. Psalm 139,8). Auch in der Zeit der Drangsal verlässt Du mich nicht. Sooft ich Dich anrufe, bist Du nahe (vgl. Psalm 145,18). Denn Dich anrufen heißt mich zu Dir hinwenden. Und Du bist schon da, bevor ich mich zu Dir hinwende.

Nikolaus von Kues (1401–1464): „Abba, mein lieber Vater!“ (Paulusverlag, Freiburg/Schweiz 2017)

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