BiografieTheologisch orthodox

In der westeuropäischen Wahrnehmung der Kirchen gibt es meistens nur Katholiken und Evangelische. Dabei leben hier mittlerweile auch viele ostkirchliche Glaubensgeschwister mit eigener Theologie.

Wer von Jürgen Henkels Buch über Dumitru Stăniloae (1903–1993) eine umfassende Biografie dieses herausragenden Theologen der rumänischen Orthodoxie erwartet, wird enttäuscht: Die Schilderung seines Lebens umfasst gerade einmal 22 Seiten. Auch der Überblick über das theologische und publizistische Werk Stăniloaes ist sehr knapp gehalten. Den Schwerpunkt des Buches bildet eine „Einführung in die Theologie von Dumitru Stăniloae“, die in elf Kapiteln das umfangreiche theologische Schrifttum erschließt.

Hier zeigt sich, dass der evangelische Pfarrer Henkel, der sich bereits in seiner Doktorarbeit mit Stăniloae befasst und mehrere Jahre selbst in Rumänien gelebt hat, das Werk dieses rumänischen „Ausnahmetheologen“, wie er ihn mehrfach nennt, wie kein anderer deutscher Theologe kennt. Die ersten vier Kapitel der Einführung enthalten eine ausführliche Erschließung des theologischen Werks entlang klassischer Themen systematischer Theologie: Offenbarung, Schrift und Tradition, Trinitätslehre, Schöpfungslehre, Christologie und Soteriologie. Danach folgen drei Kapitel, in denen die Quellen der Theologie Stăniloaes deutlich werden: die Philokalie, eine zwölfbändige Ausgabe der Schriften der Kirchenväter, die Stăniloae zwischen 1946 und 1991 veröffentlicht hat; die orthodoxe Spiritualität, vor allem die Mystik und das Verständnis der „Theosis“ (Vergöttlichung), sowie die orthodoxe Liturgie, zu der Stăniloae 1986 einen ausführlichen Kommentar veröffentlicht hat, mit dem er „sein Werk nach eigener Aussage krönen“ wollte. Ein ausführliches Kapitel über „Orthodoxie, Volk, Nation und Reich Gottes“ widmet sich den Schriften, in denen der historische Zusammenhang seines Wirkens am deutlichsten spürbar ist. Ein Kapitel zur Eschatologie, eine umfangreiche Bibliografie und ein hilfreiches Personenregister runden das Werk ab.

Der Verfasser zeigt Parallelen zu anderen orthodoxen Autoren auf, aber auch Abweichungen. Er weist ebenfalls auf die oft kritische, manchmal nicht ganz vorurteilsfreie Auseinandersetzung Stăniloaes mit der westlichen Theologie hin. Wer eine gründliche Einführung in die orthodoxe Theologie sucht, beispielhaft erschlossen entlang des theologischen Werks eines der führenden orthodoxen Theologen des 20. Jahrhunderts, dem sei dieses Buch empfohlen.

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Henkel, Jürgen

Dumitru StaniloaeLeben – Werk – Theologie

Verlag Herder, Freiburg 2017, 560 S., 38 €

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