Mein Glaube: Warum? Was? Wie?

Nein, hier geht es nicht um ein Bekehrungserlebnis, nicht um die Erfahrung, von Gott aus höchster Not errettet zu werden und ihm dafür Umkehr, Besserung, Einsatz zu versprechen. Während in einer dunklen Silvesternacht in Afrika die Hyänen um das Zelt streichen, die Menschen darin in Todesangst ausharren, betet der katholische Priester Thomas Frings nicht. „Weder glaube ich daran, dass Gott die Tiere geschickt hat, um mir etwas damit zu sagen oder vielleicht eine Lehre zu erteilen, noch glaube ich daran, dass er sie verscheuchen würde, würde ich ihn darum bitten … Ich glaube nicht an einen Gott, der mich vor der Gefahr rettet, sondern mit mir in der Gefahr ist; der mich nicht vor dem Tod bewahrt, sondern im Tod bewahren wird.“

Die Erkenntnis, dass Gott nicht nach menschlichem Wunsch funktioniert, aber dennoch in unserem Leben wirkt, ist Teil eines sehr persönlichen Bekenntnisses, das als Buch den Titel trägt: „Gott funktioniert nicht. Deshalb glaube ich an ihn“. Thomas Frings, der nach drei Jahrzehnten als Pfarrer einer Münsteraner Gemeinde seinen Rücktritt erklärt und in seinem Buch „Aus, Amen, Ende?“ eine Kurskorrektur der Kirche gefordert hat, stellt sich nun – nach einer Auszeit in einem Kloster wieder als Seelsorger, in Köln, tätig – auf sehr eigene, offene und persönliche Art den wirklich wichtigen Fragen: Warum glaube ich? Was glaube ich? Wie glaube ich? Dahinter steht der gesamte theologische Komplex unserer Vorstellungen von Gott, das Fragen nach seinem Wirken, nach seiner Gerechtigkeit, Allmacht, Barmherzigkeit, Liebe. Und es geht um das Wesen des Menschen, seine Freiheit und seine Rechtfertigung, seinen Glauben, Nicht-Glauben und sein Zweifeln. Es geht um das Beziehungsgeschehen in der langen Geschichte christlicher Tradition und Gemeinschaft sowie um die jeweils individuelle Glaubensgeschichte.

Die eigene Geschichte erzählen, das eigene Glaubensbekenntnis durchbuchstabieren, die eigene Haltung finden – das hilft vielleicht anderen bei der Suche nach persönlicher Begegnung und Beziehung mit Gott, hofft Frings. Denn immer mehr verliert sich das Verbindliche und Konkrete, das Feste und Verlässliche. „Wenn der Glaube an einen Gott, an viele Götter oder auch nur der Glaube an eine unsichtbare Welt eine Relevanz, eine Verbindung zu meiner sichtbaren Welt haben soll, wie diffus darf und kann er dann bleiben?“ Ist ein Glaube ohne organisierte Gemeinschaft, ohne konkrete Religion überhaupt noch fassbar und lebbar? Was aber ist, wenn die Vorgaben der verfassten christlichen Kirchen nicht mehr nachvollziehbar, verständlich und glaubwürdig sind?

Man muss Stellung beziehen! Dann kann man sich und andere bewegen. Frings tut dies auf eine ernsthafte, positive, reflektierte Art, die sich angenehm abhebt vom Getöse derzeitiger Kirchenkritik.

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Frings, Thomas

Gott funktioniert nichtDeswegen glaube ich an ihn

Verlag Herder, Freiburg 2019, 189 S., 20 €

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