Lehrkompetenz

Der Band versammelt die Beiträge einer Tagung, die vom Institut für Kanonisches Recht und vom Seminar für Dogmatik und Dogmengeschichte der Universität Münster durchgeführt wurde. Er widmet sich mit der Frage nach der Lehrkompetenz der Bischofskonferenz einem aktuellen Thema, das durch die Forderung von Papst Franziskus nach einer heilsamen Dezentralisierung einen neuen Anstoß erhalten hat.

Während Hermann J. Pottmeyer in seinem historischen Abriss die Bischofskonferenzen als ebenso notwendig wie umstritten charakterisiert, gelingt es Judith Hahn, das übliche Entweder-oder-Denken in den Argumentationen zu durchbrechen und deren kirchenpolitische Stoßrichtung herauszuarbeiten. Michael Seewald unterscheidet kollektives und kollegiales Handeln, hinterfragt die Unterscheidung von affektiver und effektiver Kollegialität, begründet die Notwendigkeit partikularen Lehrens in der Kirche und will die Bischofskonferenzen in eine nicht mit der Kollegialität identische Synodalität wie den „synodalen Weg“ einbetten.

Johanna Rahner folgt einer Hermeneutik des Verdachts: Rom ginge es um „eine noch deutlichere Bindung des Einzelbischofs an die römische Zentrale“, und sie beklagt „eine Ideologisierung und Instrumentalisierung der Autonomie des Ortsbischofs wie des Prinzips der Einstimmigkeit“, kann aber mit ihrem Wunsch nach Demokratie- und Modernefähigkeit der katholischen Kirche kaum zu einer theologischen Begründung der Bischofskonferenzen beitragen. Thomas Schüller empfindet das Bemühen der Kurie, den Bischofskonferenzen enge Grenzen aufzuzeigen, „wie ein ekklesiales Programm des Artenschutzes für diskriminierte Diözesanbischöfe“ und weist darauf hin, dass die Gestaltung des Statuts einer Bischofskonferenz ausschließlich in den Händen der Diözesanbischöfe liegt. Zutreffend stellt er als Bedingung dafür fest: „Starke Bischofskonferenzen brauchen starke, eigenberechtigte Diözesanbischöfe.“

Klaus Winterkamp vertritt, dass die Begriffe „affektive“ und „effektive Kollegialität“ im Blick auf die Bischofskonferenzen keine Verwendung finden sollten, denn „zur theologischen Beurteilung der Bischofskonferenzen trägt ihre Verankerung in einer Gesinnung herzlich wenig bei.“ Franz-Josef Overbeck will Perspektiven für die künftige Arbeit der Bischofskonferenz entwickeln, versteht aber die Verwirklichung von Communio und Kollegialität vor allem als eine Haltungsfrage. Mit seinen historischen Reminiszenzen kann Thomas Sternberg wenig zum eigentlichen Thema beitragen, macht aber ungewollt deutlich, dass die Zwei-Säulen-Theorie, der das Zentralkomitee der deutschen Katholiken verhaftet ist, mit Synodalität wenig zu tun hat. Joachim Frank betrachtet die Bischofskonferenz aus der journalistischen Außenperspektive. Dieser Band lohnt die Lektüre – und das Weiterdenken.

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Schüller, Thomas / Seewald, Michael (Hg.)

Die Lehrkompetenz der Bischofskonferenz

(Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2020, 240 S., 26,95 €)

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