Instrumentum laboris des VatikansAmazoniensynode wird über die Priesterweihe für Verheiratete beraten

Die für den Herbst geplante Amazoniensynode in Rom wird über tiefgreifende Reformen der kirchlichen Ämterstruktur und des katholischen Gottesdienstes für die Gebiete des Amazonasbeckens beraten. Das geht aus dem Instrumentum laboris hervor, das der Vatikan Mitte Juni veröffentlicht hat. Konkret schlägt das Papier die Priesterweihe verheirateter Ältester, neue offizielle Kirchenämter für Frauen sowie eine stärkere Einbeziehung indigener Kultformen in die Liturgie vor.

„Statt die Gemeinschaften ohne Eucharistie zu lassen, sollte man die Kriterien für Auswahl und Vorbereitung der Geistlichen (ministri) ändern, die die Eucharistie feiern dürfen“, heißt es in dem Text. „Bei gleichzeitiger Betonung, dass der Zölibat ein Geschenk für die Kirche ist, wird vorgeschlagen, für die entlegensten Gegenden der Region die Möglichkeit der Priesterweihe für Älteste zu prüfen, bevorzugt für Indigene, die von ihren Gemeinschaften respektiert und akzeptiert sind, auch dann, wenn sie schon eine Familie gegründet haben.“ Außerdem solle die Kirche „die Art von offiziellem Amt“ identifizieren, „die Frauen übertragen werden kann, um so die zentrale Rolle zu würdigen, die Frauen heute in der amazonischen Kirche spielen“. Zugleich müsse die Vorstellung „überdacht werden, dass in der Kirche die sakramentale, juristische und administrative Entscheidungshoheit immer an die Priesterweihe gebunden sein muss“. Ferner sieht das Papier einen „Prozess der Unterscheidung“ (discernimento) vor in Bezug auf indigene religiöse Riten und Symbole, „die in den liturgischen und sakramentalen Ablauf aufgenommen werden sollen“.

Das 45 Seiten lange Instrumentum laboris, das zunächst nur auf Spanisch und Italienisch vorgelegt wurde, ist Teil eines synodalen Prozesses, der mit einem Treffen von Papst Franziskus mit indigenen Gruppen in Peru im Januar 2018 begonnen hat. Die Amazoniensynode findet vom 6. bis 27. Oktober 2019 in Rom statt. Sie soll sich in erster Linie mit den Folgen von Umweltverschmutzung und Erderwärmung für die Region befassen. Zum Gebiet des Amazonasbeckens gehören Brasilien, Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Guyana, Surinam und Französisch-Guyana, insgesamt 7,8 Millionen Quadratkilometer. Das Instrumentum laboris nennt als Bedrohungen unter anderem die Privatisierung und Veruntreuung von Wasser und anderer natürlicher Ressourcen, die Rodung der Regenwälder, Wilderei und Fischwilderei, Drogenhandel, Zwangsprostitution, Menschenhandel und generell „Umweltverschmutzung durch die gesamte ausbeutende Industrie, die Probleme und Krankheiten hervorruft, vor allem bei Kindern und Jugendlichen“. Dabei handele es sich um „neue Formen des Kolonialismus“. Lucas Wiegelmann

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