Eine theologische Antwort auf die KirchenkriseGegen ein billiges Christentum

Tomas Halik Theater für Engel. Das Leben als religiöses Experiment. Verlag Herder, Freiburg 2019. 240 S. 22 ¤ (D).

In dem gegenwärtigen Krisenmodus der katholischen Kirche wird eine Art „neue Theologie“ angemahnt, die die Taten von sexualisierter Gewalt, die Mechanismen von Vertuschung und Bagatellisierung von Missbrauchsphänomenen in der institutionalisierten Kirche angemessen reflektiert und in eine zukunftsweisende Form von Ekklesiologie und Christologie übersetzt. Dieser ganz gegenwärtige Ansatz von Theologie liegt bereits vor. In seinen Büchern vermag es der tschechische Theologe, Priester und Bestsellerautor Tomas Halik, Lehrer des Glaubens und zugleich Denker einer Kirche zu sein, die zu erlahmen droht aufgrund zu einfacher Anworten welcher kirchenpolitischer Lager auch immer.

Das Wort „Missbrauch“ kommt in dem Werk, das bereits 2010 entstanden und erst jetzt auf Deutsch erschienen ist, gar nicht vor, und doch scheint jede Seite eine Antwort parat zu haben, wie geschrieben für die Situation in 2019. Das Buch muss Pflichtlektüre sein für alle, die sich jetzt um die Veränderungen in der Kirche kümmern und an einem Aufbruch im Glauben arbeiten. „Meine ganze Theologie ist ein großer Protest gegen ein billiges Christentum“, schreibt Halik. Gemeint ist ein Glaube, der nur den „Tag“ sieht und nicht die „Nacht“. Für ihn muss sich der Glaube von der Gottesfinsternis, von der Abwesenheit Gottes, von dem Schrecken und Erschrecken an der Welt her erneuern. Als „Häresie“ bezeichnet er es, wenn die „Wunden der Welt“ mit den „billigen Phrasen einer überzuckerten Frömmigkeit“ behandelt werden sollen.

In seinem neuen Werk stellt uns Halik die Welt als Theater vor, im dem lediglich die Engel die Zuschauer sind, aber die Menschen eben nicht. Auch dies eine Mahnung an unsere heutige Lage, keinesfalls die Kirchenkritik als Möglichkeit zu sehen, selbst nur auf den Zuschauerbühnen der Tragödie zu sitzen. Dabei ist überraschend, wie unwichtig die Kirche bei Halik zunächst wird, obwohl sie so gegenwärtig bleibt. „Glauben bedeutet, zunächst selbst in das Spiel einzutreten“, schreibt er, dabei ist sein Christentum eine „Religion des Paradoxons“, das sich allein durch den intensiven Dialog mit den Zweiflern und Kritikern erneuern kann, um als Kirche nicht zur Sekte zu werden. Volker Resing

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