BuchbesprechungÖkumenische Menschlichkeit

Johann Peter Hebels Nacherzählungen biblischer Texte in einer bibliophilen Schmuckausgabe.

Längst ist bekannt, dass Johann Peter Hebel keineswegs nur ein Heimatdichter ist, vielmehr ein begnadeter, hochreflektierter Erzähler. Seine Kalendergeschichten aus dem „Rheinischen Hausfreund“ sind Klassiker narrativer Literatur, in ihrer Einfachheit voller Hintersinn und Erschließungskraft. Hebel, aus ärmlichsten Verhältnissen stammend und schließlich führend in der Kirchenleitung der badischen Kirche, bleibt dem Alltag und dem „normalen“ Menschen nahe. Menschenfreundlich und versöhnend kommen seine Geschichten daher, Aufklärung und Glaube sind ihm gerade kein Gegensatz.

Die frühe Begegnung mit dem Tod geliebter Menschen, das Lebenswissen von der Vergänglichkeit in allem geben seinen Texten eine erdnahe, alltagsgültige Tonlage voller Zustimmung zum endlichen Leben. Mitten in schwierigen Zeiten – von Französischer Revolution bis zur Neuordnung nach Napoleon – war Hebels stille, klare Prosa nicht zufällig schon zu seinen Lebzeiten sehr gefragt, und sie bleibt auch heute frisch und immer sprechend. Deshalb ist es eine ausgezeichnete Idee, auch seine Nacherzählungen biblischer Texte neu zugänglich zu machen: Gerade sie zeigen Hebels Schöpfungs- und Gottvertrauen, seine ökumenische Menschlichkeit.

Eher beiläufig ergänzt er zum Beispiel in der Geschichte vom Samariter, wie dieser selbstverständlich jedem helfen würde, „auch wenn er nicht meines Volkes und meines Glaubens wäre“. In einer glänzenden Einführung erschließt Karl-Josef Kuschel Hebels Leben und Werk; der Baden-Badener Pfarrer Thomas Weiß schließt mit einem theologisch-pädagogischen Nachwort. Entstanden ist ein bibliophiles Schmuckstück, das im Lesen Freude macht und zum Schenken einlädt.

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