Engel – von A bis Z

Wer die Website von Uwe Wolff sucht, findet engelforscher.com. Das mag irritieren, denn Forschung verweist auf Systematisches und Nachvollziehbares. Engel aber sind „luftige“ Wesen, für die meisten Zeitgenossen eher Metapher denn Realität. Für den 1955 geborenen Theologen und Kulturwissenschaftler wurden sie freilich zu einem Lebensthema. Wird eine anregende, nicht-esoterische Stellungnahme zu Engeln erwartet, ist Wolff ein gefragter Gesprächspartner. Nun legt er seine Summa vor: eine opulente Anthologie, die alphabetisch geordnet und mit feinen Illustrationen geschmückt ist. Jedes Stichwort ist so gelehrt wie locker im Ton – und macht nachdenklich.

Die erste Überlegung gilt dem Altern, für uns Menschen ein großes Thema und an vielen Spuren „ablesbar“. Und für die Engel, die ja nicht wie Gott seit Ewigkeit existieren, sondern auch erschaffen wurden? „Engel kennen keine Mathematik. Sie wurden nicht in die Welt aus Raum und Zeit geboren, sondern in die Ewigkeit.“ Eine theologische Pointe, gewiss. Doch richtet sich nicht auch die österliche Hoffnung auf jene Sphäre, aus der die Engel jetzt schon wirken? Wie wirken sie aber, etwa als „Schutzengel“? Dieses klassische Stichwort ist heikel, denn den zahlreichen Berichten vom glücklichen „Auffangen“ durch einen Schutzengel lassen sich unzählige andere entgegensetzen, die dann von „Versagen“ zeugen würden. Wolff verweist auf Romano Guardini, für den „der Engel des Menschen“ vor allem „den Wesenskern des Menschen“ schütze; in den Wirrnissen des Lebens „spricht seine Stimme mit“.

Auch an dieser Stelle darf man sich anregen lassen oder eben skeptisch sein – und auch den „Engelforscher“ Uwe Wolff wird man sich nicht als einen verhärteten Bekenner vorstellen. Davon zeugen die zahlreichen Verweise auf ambivalente Engel-Bereiche (Armageddon, Lucifer, Todesengel) genauso wie auf schillernde oder heitere Phänomene wie Sphärenmusik, Hofbräuhaus oder Bahnfahren. Eine weitsichtige Engel-Anthologie, die mit dem „Zehnten Engelchor“ abschließt, in dem jetzt gewiss Gregor der Große wie Rainer Maria Rilke ihr Lied singen.

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Wolff, Uwe

ENGELMit Illustrationen von Sebastian Rether

Büchergilde Gutenberg, Frankfurt/Wien/Zürich 2023, 360 Seiten, 38 €