Eine kindergerechte WeltFünf Bilderbücher zum Thema Kinderrechte

Mit den vorgestellten Büchern lernen Kinder ihre Rechte auf Schutz, Förderung und Beteiligung kennen. Eine Voraussetzung dafür, dass die zehn wichtigsten Kinderrechte im Alltag zum Tragen kommen und erlebbar werden.

Olten, M. (2014): Wir haben Rechte! Die Kinderrechte kennenlernen und verstehen. Mini-Bilderbuch. München: Don Bosco. € 1,80, ISBN 978-3-7698-2099-7, ab 4 Jahre

„Ein Buch zum Thema Kinderrechte zu machen, gefiel mir sehr. Kinder werden so aufgeklärt und gestärkt. Wissen Kinder überhaupt, dass sie Rechte haben? Das habe ich mich während der Arbeit an ‚Wir haben Rechte! Die Kinderrechte kennenlernen und verstehen‘ oft gefragt“, so Illustratorin Manuela Olten. In verschiedenen Formaten – Kamishibai, Plakat (siehe S. 4), Postkarten und preiswertes Mini-Bilderbuch – erhältlich, bekommen Kinder einen guten Überblick über ihre Rechte. Auf je einer der zehn Doppelseiten steht ein Kinderrecht im Mittelpunkt und wird ausdrucksstark und anschaulich illustriert. „Es war nicht immer einfach, ein Bild zu finden. So war Schutz im Krieg eine Herausforderung für mich. Andere Bilder waren sofort da“, erinnert sich Olten. Informationen zur UNKinderrechtskonvention von 1989 und alle zehn Rechte in Sprechblasen von Kindern auf einer Seite präsentiert, machen dieses Mini-Bilderbuch unverzichtbar. So wird das Recht, Kindern alle Informationen, die sie brauchen, zur Verfügung zu stellen, vorbildlich umgesetzt. 

Sakai, K. (2016): Hannas Nacht. Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. Frankfurt: Moritz. € 12,95, ISBN 978-3-89565-271-4, ab 4 Jahre

Das Recht auf Privatsphäre und familiäre Geborgenheit findet in „Hannas Nacht“ seinen Ausdruck. Das kleine Mädchen wacht mitten in der Nacht auf. Mama, Papa und die große Schwester schlafen tief und fest. Nur das Kätzchen Chiro leistet ihr Gesellschaft. Aber Hanna genießt die Zeit sichtlich, holt sich etwas zu essen, schaut in den Nachthimmel und leiht sich ein paar Spielsachen von ihrer Schwester aus. Zart und zugleich konzentriert erscheinen die festgehaltenen Momente und berührenden Szenen aus Acrylfarben und Ölstiften. „Die Hauptfigur lag mir von Anfang an sehr am Herzen“, so die japanische Autorin und Illustratorin Komako Sakai. Genau das spürt man und genießt beim Vorlesen und Zuhören die besondere Atmosphäre dieses Bilderbuches.

Zeh, J./Schnabel, D. (2015): Jetzt bestimme ich! Hamburg: Carlsen. € 14,99, ISBN 978-3-551-51816-3, ab 6 Jahre

Das Zusammenleben mit Kindern will geregelt sein und um das Recht auf Mitbestimmung geht es in dem Bilderbuch von Juli Zeh. Die Juristin und Schriftstellerin hatte in ihrer zweiten Arbeit für Kinder „Jetzt bestimme ich!“ das Thema Kinderrechte gleich im Kopf. „Freie Meinungsäußerung und Mitbestimmung kann man gar nicht früh genug lernen“, so die Illustratorin Dunja Schnabel. Familie Wiefel probiert mehrere Möglichkeiten aus, wie sie in ihrer vierköpfigen Familie am besten das Recht auf Mitbestimmung im Alltag umsetzen können. „Das Bilderbuch ist recht umfangreich, da ja alle Entscheidungsmodelle erklärt werden sollten, um dann diskutiert werden zu können“, so Schnabel. Bestimmer-Karussell, die Regel, dass jeder und jede in seinem und ihrem Zimmer der Bestimmer und die Bestimmerin ist, oder demokratische Entscheidungen – Ideen gibt es jede Menge. „Mein jüngstes Kind im Kita-Alter hatte den meisten Spaß am Durchlaufen von Entscheidungsprozessen. Wir haben tatsächlich auch zwei Mal Wahlen abgehalten“, ergänzt die Illustratorin. 

Sanna, F. (2016): Die Flucht. Aus dem Englischen von Thomas Bodmer. Zürich: NordSüd. € 17,99, ISBN 978-3-314-10361-2, ab 5 Jahre

Freie Wahlen sind in Ländern, aus denen Menschen flüchten, eher selten. Francesca Sanna hat viele Flüchtlingskinder persönlich kennengelernt und in ihrem Bilderbuch „Die Flucht“, das auf der diesjährigen Nominierungsliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis steht, ihre Geschichten zu einer eindrücklichen Erzählung verwoben. „Artikel 22 der Kinderrechtskonvention sagt, dass Kinder im Krieg und auf der Flucht das Recht auf besonderen Schutz haben. Mein Ziel war es, Menschen anzuregen, genau darüber nachzudenken“, so die Künstlerin. Angst, Hoffnung, Fremdsein, Verzweiflung – all das steckt in den ausdrucksstarken Bildern und den Worten aus der Sicht eines Kindes. „Ich habe das Bilderbuch 4-jährigen Kindern präsentiert. Sie haben viele Fragen dazu, die sich alle sehr von den Fragen unterscheiden, die Erwachsene stellen“, erzählt

Sanna. Orosz, S./Scharnberg, S. (2016): Die Welt bei uns zu Hause – Vorlesegeschichten über andere Kulturen. Hamburg: Ellermann. € 14,99, ISBN 978-3-7707-3423-8, ab 5 Jahre

Von Kindern, deren Eltern vor Jahren aus anderen Ländern und anderen Kulturen gekommen sind, handelt „Die Welt bei uns zu Hause“ von Autorin Susanne Orosz und Illustratorin Stefanie Scharnberg. Alle Kinder haben die gleichen Rechte, auch wenn sie eine andere Hautfarbe oder eine andere Religion haben. „Fröhliche Geschichten – schön verknüpft mit einem Blick über den Tellerrand!“ – so urteilte die Jury des Leipziger Lesekompass 2017. Tatsächlich bietet diese Sammlung an Texten vielseitige Anregungen. „Da den Kindern fremde Kulturen vorgestellt werden, war es mir besonders wichtig, Sitten, Feste und Bräuche realistisch darzustellen“, so Stefanie Scharnberg. „Wie ich mich informiert habe? Ich musste natürlich viel recherchieren.“ Die insgesamt 20 Geschichten lüften ein französisches Kuchengeheimnis, stellen den mexikanischen Geburtstagsbrauch der Piñata vor und erzählen vom kurdischen Neujahrsfest. „Wir wollten jedem Kind zeigen, dass es so viel Verschiedenes auf der Welt gibt“, erläutert die Illustratorin. „Vor allem aber, dass jedes Kind das Recht hat, anders als die anderen zu sein!“ 

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