Am Ufer des Christwerdens

Kaum hatte er sein Amt als Bischof von Limburg aufgegeben, begann Franz Kamphaus mit Exerzitien für Priester, die großes Echo fanden. Grundlage dafür war – wie könnte es anders sein – die Bibel, und da besonders der Briefwechsel des Paulus mit „seiner“ Gemeinde in Korinth. Kaum ein Text des Neuen Testaments ist näher an der Lebensgeschichte des Apostels orientiert, ist dramatischer und persönlicher als der zweite Korintherbrief.

Was die Orientierung an Jesus Christus aus einem Menschen machen kann und mit ihm, ist hier ursprünglich zu entdecken. Geht es doch in der paulinischen Kreuzestheologie um eine „Umwertung aller Werte“, wie sie radikaler kaum gedacht werden kann. Die Auslegungen bringen das zum Ausdruck, nahe am Original und trefflich ins Heute übersetzt, kein Wort zu viel und genau auf den Punkt. Immer steht Schriftauslegung im Hintergrund, nichts von „erbaulichem“ Missbrauch der Texte als bloßem Aufhänger für eigene Mutmaßungen. Nicht zufällig findet sich eine der paulinischen Aussagen über Ostern bereits im Titel: „Wenn ich schwach bin, bin ich stark“ – typisch für das Paradox des Weges Jesu und derer, die ihm folgen.

Diese Texte von Franz Kamphaus lesen sich wie (s)eine ganze Lebens- und Glaubenssumme, spirituelle Vollwertkost von besonderer Nährkraft und mit konkreten Impulsen. In Zeiten, in denen „Kirche“ mit „Problem“ gleichgesetzt wird, zeigt solch ein Büchlein beispielhaft, worauf es ankommt: die Gründungstexte zu übersetzen, und zwar ins reale Leben, und darin selbst überzusetzen, und zwar ans Ufer wirklichen Christwerdens.

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Kamphaus, Franz

Der Schatz im TongefäßWarum wir stark sind, wenn wir schwach sind

Patmos Verlag, Ostfildern 2019, 176 S., 18 €

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