Dan Browns „Illuminati“ im KinoDunkle Machenschaften?

Wie die literarische Vorlage ist der Hollywood-Film „Illuminati“ als unterhaltsamer Thriller vor dem Hintergrund widerstreitender Weltanschauungen angelegt. So krude Dan Browns Phantasieprodukt eines weiterhin aktiven Geheimordens sein mag: Es geht auch um das Spannungsfeld zwischen der katholischen Kirche und der modernen Welt, insbesondere der Naturwissenschaften.

Dan Brown provoziert, vor allem mit seinem Erfolg. In den vergangenen Jahren war es in erster Linie sein Roman „Sakrileg“, der nicht nur als Megabestseller von sich reden machte (Bergisch Gladbach 2004; Original: „The Da Vinci Code“, 2003), sondern trotz durch die Bank ablehnender Filmkritiken auch im Kino die Massen anzog („The Da Vinci Code – Sakrileg“, USA 2006). Kern der Handlung ist die Suche nach dem Heiligen Gral auf den Spuren eines Geheimbundes, der um der Unterdrückung der Wahrheit willen von der katholischen Kirche bekämpft wird.

Aber auch sein Roman „Illuminati“, der bereits drei Jahre zuvor erschienen war, hat Millionen Leser gefunden (Bergisch Gladbach 2003, Seitenzahlen jeweils in Klammern; Original: Angels & Demons, 2000). So wie die verschlungenen Wege in „Sakrileg“ Touristen ihr Besichtigungsprogramm in Paris diktieren, gibt es in Rom längst schon Stadtführungen auf den Spuren von „Illuminati“ – jüngst mit stark steigender Nachfrage. Mitte Mai kam die Verfilmung des älteren Romans in die Kinos, für die wie schon 2006 bei „The Da Vinci Code – Sakrileg“ Hollywood-Regisseur und Oscar-Preisträger Ron Howard engagiert wurde.

Der Plot des Films mit prominenter Besetzung, der an einem einzigen Tag spielt, ist im Vergleich mit dem Buch merklich gestrafft. Im Europäischen Kernforschungszentrum CERN in der Nähe von Genf wird ein Wissenschaftler, der am Nachweis des „Gott-Partikels“ forscht, ermordet und ein geheim aufbewahrter Behälter mit hoch gefährlicher Antimaterie entwendet. Der Täter verweist auf die „Illuminati“. Nachdem der offensichtlich wieder aktive Geheimorden zudem vor dem unmittelbar bevorstehenden Konklave vier als papabili geltende Kardinäle entführt hat, wird der Harvard-Gelehrte Robert Langdon (Tom Hanks) von einem Gesandten des Vatikans nach Rom gebeten, um bei der Suche nach den Tätern mitzuhelfen, die schließlich auch mit der Vernichtung des Vatikans durch die Antimaterie drohen.

Rasante Fahrten durch die römische Altstadt

Langdon ist Professor für Ikonographie und Spezialist für die Geschichte des Geheimbundes, die bei Dan Brown bis ins 16. Jahrhundert zurückgeht: als sich die Wissenschaft von der Kirche zu emanzipieren begann, dann aber nach Lehrverurteilungen, Verfolgungen und Meuchelmorden durch die Kirche schließlich in den Untergrund gegangen ist.

Offenbar ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem die Illuminaten zurückschlagen, indem sie die vier als papabili angesehenen Kardinäle im Stundentakt hinrichten wollen – während parallel die Zeit abläuft, bis die Antimaterie mit ihrer ungeheuren Zerstörungsgewalt um Mitternacht vor den Augen der Weltöffentlichkeit explodieren wird – falls sie nicht entschärft werden kann.

Das Perfide dabei: Der Tod der Kirchenmänner wird jeweils gut esoterisch unter das Motto eines der vier Elemente gestellt. Sie werden entsprechend gebrandmarkt und sollen im Umfeld eines thematisch passenden Kunstwerks des Illuminaten Bernini, Stationen auf dem „Pfad der Erleuchtung“, hingerichtet werden: mit Erde erstickt, durch Stiche in die Lungen ermordet, über einem Scheiterhaufen aus Kirchenbänken verbrannt, im Brunnenwasser ertränkt. Im Unterschied zum Buch gelingt Letzteres nicht. Nur drei Eminenzen werden getötet, Kardinal Baggia wird am Ende Papst.

Zuvor jedoch besteht ein Großteil des Films in den rasanten Fahrten von Schweizergardisten und vatikanischer Gendarmerie mit ihren schwarzen Lancias durch die römische Altstadt, auch wenn sie dann jeweils um Minuten zu spät kommen. Atempausen ergeben sich dann, wenn Langdon zusammen mit der attraktiven CERN-Mitarbeiterin Vittoria Vetra (Ayelet Zurer) aufgrund schier unglaublicher Kombinationsgabe und höchst unwahrscheinlicher Zufälle rasch die nächste kniffelige Rätselaufgabe jener kunsthistorischen „Schnitzeljagd“ (234, 293) löst – ohne dass die beiden sich dadurch wie im Buch näher kämen.

Erst nach der Konfrontation mit dem Auftragsmörder in der „Kirche der Erleuchtung“, der Engelsburg, eilen Langdon und seine Begleiterin Vittoria über den „Passetto“ zum Showdown in den Vatikan. Immerhin sieht alles danach aus, dass der Camerlengo (Ewan McGregor), der Stellvertreter des Papstes in der Sedisvakanz, das fünfte Opfer sein würde. Dort haben die Kardinäle inzwischen ihr Konklave unterbrochen.

Das Blatt wendet sich jedoch. Der Camerlengo kommt gebrandmarkt, aber ansonsten unversehrt aus seinem Amtszimmer, und findet schließlich die Antimaterie, nach der die Schweizergarde den gesamten Abend verzweifelt gesucht hat, beim Petrusgrab unter der Vatikanbasilika. Dann steigt der gelernte Pilot – kurz vor knapp – mit einem zur Evakuierung bereitstehenden Hubschrauber in die Höhe, um sich ebenso überraschend mit dem Fallschirm zu retten. In einem spektakulären Lichterschauspiel mit gewaltigen Druckwellen explodiert die Antimaterie am – barocken Kirchenmalereien nachempfundenen – Nachthimmel, begleitet von Hans Zimmers zum Bombastischen neigender Filmmusik.

Am Ende stellt sich heraus, dass der Camerlengo selbst der Drahtzieher war, die gegenwärtigen Aktivitäten der Illuminati nur sein Phantasieprodukt: aus Sorge um die Ausrichtung der katholischen Kirche gegenüber der modernen Welt, vor allem den Naturwissenschaften. Der verstorbene, von ihm heimtückisch ermordete Papst hatte mit großer Begeisterung von den Entwicklungen bei CERN gehört und die Erforschung der Entstehungsbedingungen von Materie unterstützt, weil er sich davon eine Aussöhnung zwischen dem christlichen Schöpfungsglauben und den wissenschaftlichen Erkenntnissen über den Urknall versprach.

Der Camerlengo hingegen hält dieses nicht nur für hochriskant, sondern geradezu für ein Sakrileg: „Wer ist dieser Gott der Wissenschaft? Was ist das für ein Gott, der seinem Volk Macht anbietet, aber kein moralisches Rahmenwerk, das ihm sagt, wie diese Macht benutzt werden soll? Was ist das für ein Gott, der seinem Kind Feuer in die Hand drückt, ohne es zu warnen, dass es sich verbrennen kann?“ fragt er im Buch (479).

Die Straffungen haben gut getan

Es kann nicht überraschen, dass das Skript eine ganze Reihe von Seitensträngen der Romanvorlage gestrichen hat, um sie überhaupt verfilmen zu können. Dadurch fallen zwar Hintergrundinformationen unter den Tisch, so dass die Geschichte noch unglaublicher gerät. Trotz der gut 130 Minuten ist der Film aber dennoch über weite Strecken kurzweilig geworden – und nicht zuletzt wegen der genretypischen Stilisierung atemberaubender. So gibt es deutlich mehr Schusswechsel mit tödlichem Ausgang als in Dan Browns Vorlage.

Und während die Dokumentation der Jagd des Profikillers durch zwei BBC-Reporter entfällt, hat das Medienspektakel um den Pontifikatswechsel im April 2005 auf die Ereignisse auf dem Petersplatz in Howards Film deutlich abgefärbt. Auch ansonsten haben sich die Drehbuchautoren eine Reihe von Freiheiten genommen (so stammt der im Film etwas blasse Camerlengo jetzt aus Irland und nicht mehr aus Sizilien).

Bei den Filmkritikern, die den Film mehrheitlich wegen der kaum entwickelten Charaktere durchfallen ließen, haben ihm die Straffungen immerhin hier und da das Lob eingetragen, sowohl besser als „The Da Vinci Code“ als auch die literarische Vorlage zu sein. Das Publikum, das den Film bisher gut aufgenommen hat, sieht dies offenkundig genauso. Rund eine Million Besucher sollen den Film bereits am ersten Wochenende gesehen haben, so viele wie keinen anderen Film in diesem Jahr beim Start.

Der Konflikt zwischen Glaube und Wissenschaft wird abgeblendet

Bedauern kann man allerdings, dass die Thematisierung des Konflikts zwischen Glaube und Wissenschaft durch die Bearbeitung für das Kino etwas abgeblendet wurde. Immerhin wird das Spannungsfeld nicht nur als Gegensatz zwischen menschlichen Allmachtsphantasien und einer religiös begründeten Ethik dargestellt. Gerade die Genfer Forscher, von denen einer früher Priester war (im Film lediglich unpassend mit einem „Römerkragen“ angedeutet), steuern im Buch durchaus interessante Dialoge zum Verhältnis von Glaube, Theologie und einer naturwissenschaftlich geprägten Welt bei.

So bekennt der im Drehbuch gestrichene Direktor des Forschungszentrums: „Die Männer und Frauen bei CERN suchen nach Antworten auf eine Frage, die die Menschheit seit Anbeginn der Zeit beschäftigt. Woher kommen wir, und woraus sind wir gemacht?“ (44) Offenkundig steht hier die in den USA zwischen Kreationisten und Verfechtern der Evolutionslehre geführte Debatte im Hintergrund, die auch für den so vehementen Widerstreit der Weltanschauungen im Film einen hermeneutischen Schlüssel bereithält. Ausdrücklich beklagt man sich im Vatikan über die kritischen Einwände von Naturwissenschaftlern: „Sie verlangen in regelmäßigen Abständen, dass wir die Schöpfungstheorie zurücknehmen, dass wir uns formell für Galilei und Kopernikus entschuldigen und dass wir unsere Kritik an gefährlicher oder unmoralischer Forschung einstellen“ (177).

Diese Auseinandersetzungen zu Beginn des Buches werden im Film erst einmal reduziert auf die Eingangsszenen, in denen der Gegensatz zwischen den archaischen Ritualen nach dem Tode eines Papstes und der atemberaubenden Hochtechnologie internationaler Forschungszentren ganz auf der Ebene der Bilder inszeniert wird: hier das Zerstören des Fischerrings, dort Bilder aus dem Inneren des von Computertechnologie gesteuerten Large Hadron Collider, der fast ein Jahrzehnt nach dem Erscheinen des Buches im vergangenen Sommer unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit seine Arbeit aufnahm.

Und während die Erläuterungen Langdons im schnellen Mittelteil des Films als vermeintlich historische Informationen im Raum stehen bleiben, werden die fundamentalen Fragen nach dem Woher und Wohin erst gegen Ende wieder aufgenommen. In der Rede des Camerlengo vor den Kardinälen und dann vor allem in seinem Bekenntnis spielt das Verhältnis zwischen der Kirche und der Wissenschaft beziehungsweise der modernen Welt wieder die zentrale Rolle und verleiht diesem Spannungsfeld dadurch Gewicht.

Ähnlich krude wie im Buch erscheint im Film hingegen das Phantasieprodukt der Illuminati, mit Galileo Galilei als einem der angeblich wichtigsten Inspiratoren. Tatsächlich hat Dan Brown hier vieles von dem zusammengerührt, was eine anti-kirchliche Bruderschaft auszeichnet: Verschwiegenheit und Symbolfetischismus, Freigeistigkeit und Anti-Klerikalismus, Gewaltbereitschaft und Machtbesessenheit.

Die historischen Illuminaten sind demgegenüber kleine Lichter geblieben: 1776 im bayerischen Ingolstadt vom Philosophen und Kirchenrechtler Adam Weishaupt gegründet, ist jene Geheimgesellschaft ein gutes Jahrzehnt später wieder aufgelöst worden (vgl. Bernd Harder, Erleuchtete oder Dunkelmänner? Der Mythos um „Illuminati“, in: Materialdienst der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Nr. 6/2009). Sie zählte nie mehr als 2000 Mitglieder, darunter Freiherr Adolf von Knigge als prominentestes Mitglied; gut aufklärerisch ging es ihr um rationale Erkenntnis und sittliche Vervollkommnung. Dies wird bei Dan Brown nahezu ins Gegenteil verkehrt, wenn dieser die Illuminaten zu einer gewaltbereiten Untergrundorganisation macht, in der sich von Alchemisten bis Okkultisten (einschließlich der Muslime und Juden) alle mutmaßlichen Gegner des Christentums vereinen und ganz nebenbei die gängigen antikirchlichen Ressentiments bestätigt werden.

Das Phänomen Dan Brown

Mehr noch als die bayerische Geheimgesellschaft selbst, scheint der an ihn anknüpfende Mythos machtvoll geworden zu sein: Freimaurer versuchten erfolglos, ihn Ende des 19. Jahrhunderts wieder zu beleben, 1925 wurde ein „Weltbund der Illuminaten“ ausgerufen. Bis heute hält die Faszination, wie der Erfolg Dan Browns belegt, ungemindert an (vgl. beispielsweise die Romantrilogie „Illuminatus!“ von Robert Anton Wilson aus dem Jahr 1975 und den daran anknüpfenden, sehenswerten Kinofilm von Hans-Christian Schmid: „23 – Nichts ist so, wie es scheint“, Deutschland 1998).

Umgekehrt leistet Howards „Illuminati“ seinen Beitrag zum höchst erfolgreichen „Phänomen Dan Brown“, das im Wesentlichen darauf beruht, Fakten und Fiktionen so gekonnt zu vermengen, dass das historisch Verbürgte auch dem Ersponnenen Vertrauenswürdigkeit zu verleihen vermag. Ist es nicht naheliegend, dass viele Tatsachen in der Öffentlichkeit gar nicht bekannt sein können, wenn es sich um die dunklen Machenschaften von Geheimgesellschaften handelt, hier die „Illuminaten“, in „Sakrileg“ die „Prieuré de Sion“ auf der einen und das „Opus Dei“ auf der anderen Seite? Offenkundig bedienen diese Tagträume einer Welt voller Rätsel, die sich am Ende mit geheimem Wissen doch lösen lassen, die Erwartungen vieler Leser und Zuschauer (vgl. HK, November 2005, 563ff.; ebenfalls lesenswert: Joachim Valentin [Hg.], Sakrileg eine Blasphemie? Das Werk Dan Browns kritisch gelesen, Münster 2007; Matthias Wörther, Betrugssache Jesus. Michael Baigents und andere Verschwörungstheorien auf dem Prüfstand, Würzburg 2006).

Mancher römische Tourist auf den Spuren von „Illuminati“ wird so enttäuscht, dass nicht einmal die Glaubwürdigkeit erheischende Ankündigung Dan Browns in allen Fällen korrekt ist. Immerhin tönt er programmatisch: „Hinweise auf Kunstwerke, Gruften, Tunnel und Bauten in Rom beruhen auf Tatsachen, einschließlich ihrer genauen Lage. Man kann sie heute noch besichtigen. Die Bruderschaft der Illuminati existiert ebenfalls“ (11).

Auch darüber hinaus wird man die Nachwirkungen einer Reihe von Fehlinformationen nicht unterschätzen dürfen. Nicht wenige nehmen den vom Autor sowie dessen von zweideutigen Äußerungen geschürten Anspruch auf Enthüllungsbelletristik ernst. So besteht durchaus die Gefahr, dass die von Dan Brown vielschichtig, in jedem Fall aber reichlich vorgetragene Kritik an der Kirche unbedarfte Leser und Zuschauer beeinflusst. Allerdings: Nicht der Ruf nach dem Zensor, sondern nur Aufklärungsarbeit hilft hier weiter. Wäre es nicht naiv, Romane wie Spielfilme mit dem Hinweis auf sachliche Fehler kritisieren zu wollen?

Ohnehin gilt im Vergleich mit „Sakrileg“, dass „Illuminati“ schon in der Anlage deutlich weniger kirchenkritisch geraten ist. Während im zuerst verfilmten Band die katholische Kirche insgesamt die Wahrheit mit Gewalt unterdrückt, geht es jetzt im Wesentlichen mit dem fehlgeleiteten Camerlengo (der in der Logik Dan Browns nicht einmal Kardinal, sondern einfacher Priester ist) um einen Einzelnen. Und während Langdon in „Sakrileg“ auf der Seite der Gegner der Kirche steht, worauf im neuen Film zu Beginn mehrfach kurz angespielt wird, hilft er in Dan Browns „Illuminati“ dem Vatikan, nachdem er vom CERN-Direktor zur Hilfe geholt wurde. Im Film wird er gleich vom Vatikan engagiert, trotz ausweichender, aber aufrichtiger Antworten nach seinem persönlichen Gottesglauben. Richter, der Kommandant der Schweizergarde (Stellan Skarsgård), darf „seine“ Kirche engagiert dafür loben, dass sie die Hungernden speist und Trost spendet. Nicht zuletzt kommt der Verfilmung zugute, dass diese dem verstorbenen Papst nicht mehr den Camerlengo als uneheliches, im Reagenzglas gezeugtes Kind andichtet, um der Handlung am Ende noch eine weitere überraschende, schwindelerregende Wendung zu geben.

In der katholischen Kirche hat man dazugelernt

Hingegen wird wie im Buch in Howards „Illuminati“ problematisiert, inwiefern religiöser Eifer das Wesen der Religion von innen her zerstören kann. Insbesondere der deutsche Kardinal Strauss (im Buch: Kardinal Mortari, bemerkenswert gespielt von Armin Mueller-Stahl) als Herr über die Zeremonie des Konklaves versucht hier, mit klarem Kopf und ruhiger Hand gegenzusteuern. „Ist es Gottes Wille, dass wir Vernunft und Logik ablegen und uns in Ekstase ergehen? (...) Es ist Gott, der uns Verstand und Umsicht gab! Es ist Gott, dem wir dienen, indem wir umsichtig zu Werke gehen“, so der Kardinal bei Dan Brown (643). Er kann sich damit unter den – ansonsten als nette ältere Herren charakterisierten – Kardinälen profilieren. Am Ende steht seine Großherzigkeit, mit der er um Gnade für die menschlichen Fehler bittet, von der auch Kirchenmänner nicht frei seien. Langdon überreicht er voller Dankbarkeit als Leihgabe auf Lebenszeit das für sein Forschungsvorhaben entscheidende Galilei-Manuskript, dessen Einsicht in den Vatikanischen Geheimarchiven ihm mehrfach verweigert wurde. Dem katholischen „Filmdienst“ zufolge schlägt der Film mit seinen versöhnlichen Gesten sogar einen „zutiefst christlichen Grundton“ an (21. Mai 2009).

So wirkt es im Nachhinein fast übertrieben, dass der Vatikan die Dreharbeiten auf dem Petersplatz und in Kirchen verboten hat. Offenkundig hatte man ohne einen Blick ins Drehbuch, sondern allein schon aufgrund der Erfahrungen mit „Sakrileg“ über die Anfrage entschieden. Ein Großteil der Schauplätze musste daraufhin in Filmstudios in Los Angelos nachgebaut werden.

Mehr noch als seinerzeit bei der Verfilmung „The Da Vinci Code“ hat man sich jetzt zum Kinostart in der katholischen Kirche mit Kritik oder Verbotsforderungen jedoch zurückgehalten (vgl. HK, Juni 2006, 277ff.). Offensichtlich lernt man dazu. Von Federico Lombardi etwa, dem Pressesprecher des Vatikans, gab es angesichts des fertigen Films nicht mehr als ein Achselzucken und ein paar spöttische Bemerkungen über das intellektuelle Niveau – so dass der Verleih von dieser Seite keine weiteren werbewirksamen Maßnahmen erwarten durfte.

Dass Dan Brown etwas von Marketing versteht, ist freilich im Vorfeld des Filmstarts wieder einmal eindrücklich deutlich geworden. Im Herbst soll, wie Ende April bekannt gegeben wurde, der dritte Thriller mit dem „Symbolologen“ Robert Langdon in der Hauptrolle erscheinen, zeitgleich auch die deutsche Übersetzung. Langdon wird dieses Mal – überraschenderweise – im Freimaurermilieu recherchieren. Der Originaltitel lautet: „The lost Symbol“. Die Filmrechte sind bereits vergeben.

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