Schön – gut – heilig

Lebenskunst, klar wie ein Kristall, hinterlässt uns der Religionsphilosoph Richard Schaeffler.

Was der im Februar gestorbene Religionsphilosoph Richard Schaeffler lebenslang durch zahlreiche Studien im Detail erarbeitet hat, kommt in diesen letzten Vorlesungen so einfach daher, dass Philosophie als das durchscheint, was sie vom Ursprung her ist: Lebenskunst, verständlich durchdacht und klar wie ein Kristall. Die klassische Lehre von den Transzendentalien, von den allen Erkenntnissen vorausliegenden Grundbestimmungen des Seienden, wird im Lichte Kants und vor allem der Phänomenologie erschlossen. „Wer kein ‚ästhetisches Organ‘ hat, der entdeckt auch nichts Schönes. Wer für das Religiöse ganz unempfindlich ist, dem zeigt auch nichts die spezifische Weise des Heiligen. Und es gibt auch Menschen, die nicht fähig sind, Dingen oder Menschen die Qualität des Guten anzusehen. Dass sie bei ungeeignetem Hinblick einen bestimmten Anblick nicht zeigen, spricht nicht dagegen, dass dieser ‚Aspekt‘ zur Sache gehört.“

Erfahrungen werden eben gemacht, und dabei ist antwortend immer der jeweilige Mensch beteiligt. So unterscheidet Schaeffler ästhetische, ethische und religiöse Erfahrung auf das ihnen Gemeinsame hin, vielfarbig nahe an den Phänomenen und gut nachvollziehbar. Das „Heilige“ ist demnach letztendlich die Geheimnisstruktur des Wirklichen selbst, dass überhaupt etwas ist und nicht nichts. Genauer noch versteht es Schaeffler als „Quelle des Geistes“, der hingebend sich verschenken kann und als „freisetzende Freiheit“ konkret wird. Auf dieser Linie, so lauten der Schlusssatz und der mögliche Stabwechsel ins Theologische, „tritt das Heilige für den, der es so erfährt und versteht, als Person hervor“.

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