Ernesto CardenalDer Mob des Diktators, Schande für Ortega

Nach heftiger Störung des Requiems für den nicaraguanischen Priesterdichter Ernesto Cardenal durch einen Mob der „revolutionären“ sandinistischen Diktatur ist der Leichnam unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einer schlichten Feier von Freunden und Mitgliedern der christlichen Gemeinschaft von Solentiname dort begraben worden (Nachruf in CIG Nr. 10). „Wir haben uns entschieden, ihn dort beizusetzen, wo die Helden und Märtyrer von Solentiname beerdigt sind“, erklärte Bosco Centeno, ein Mitglied der Insel-Gemeinde.

Unterdessen verurteilten zahlreiche lateinamerikanische Schriftsteller die Vorfälle beim Trauergottesdienst. Raul Zurita Canessa, Träger des Iberoamerikanischen Poesie-Preises 2016, kritisierte mit derben Flüchen auf Twitter das Ortega-Regime. Die nicaraguanische Schriftstellerin Gioconda Belli antwortete ihm: „Danke für deine notwendigen Worte, Raul. Es ist eine weltweite Schande, was diese respektlose Diktatur bei der Trauerfeier gemacht hat.“

Anhänger des Herrschers Daniel Ortega hatten mit Sprechchören versucht, das Requiem zu „sprengen“. Mehrmals wurde die Eucharistiefeier unterbrochen, versuchten der bischöfliche Vorsteher der Liturgie, Rolando Alvarez von Matagalpa, und der Vatikanbotschafter Waldemar Stanislaw Sommertag, den Mob zum Schweigen zu bringen. Einer der Störenfriede sagte, Cardenal stehe zwar für Kultur, aber er sei wegen seiner Kritik am Sandinismus eben auch ein Verräter der Revolution. Nach dem Requiem wurden Journalisten angepöbelt, angegriffen und ausgeraubt.

Seit zwei Jahren gibt es in Nicaragua heftige Proteste gegen die Selbstherrlichkeit des regierenden Ortega-Clans, dem Cliquenwirtschaft und Korruption schwersten Ausmaßes vorgeworfen wird, während große Teile des Volkes darben. Nicht wenige frühere Sandinisten haben sich vom Regime abgewendet. Doch Ortega kann sich anscheinend weiter mit seinen Getreuen und vor allem seinen Proll-Schlägertrupps an der Macht halten.

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