Wenn Eltern frustriert sind Hilfe, ich bin wütend auf mein Kind!

Eltern müssen kein schlechtes Gewissen haben, wenn ihr Kind sie auf die Palme bringt. Es kommt vielmehr darauf an, wie sie mit dieser Wut umgehen

Hilfe, ich bin wütend auf mein Kind
Eltern dürfen ihre negativen Gefühle zeigen © pixabay

Während Kinder noch ganz ungehemmt ihre Frustration über das versagte Eis in die Welt schreien, sind Zornesausbrüche von Eltern eher ein Tabu. Wer wird denn auf sein Kind wütend sein – womöglich noch in der Öffentlichkeit? Das geht gar nicht, denken leider viele Mütter und Väter. Die Folge sind innere Spannungen und Verkrampfungen. Denn Wut herunterzuschlucken tut nicht gut. Wie lässt sich also mit ihr umgehen?
Wütende Eltern sind ein Geschenk für ein Kind. Klingt komisch? Ist es aber nicht. Denn wie soll ein Kind sonst lernen, mit seiner Wut umzugehen? Wir Mütter und Väter sind Vorbilder, unsere Kinder beobachten uns ganz genau und orientieren sich an unserem Verhalten. Deshalb ist es so wichtig, dass Eltern ihre Wut benennen und zeigen. Wut ist ein ganz natürliches, menschliches Gefühl. Selbst der Dalai Lama gibt offen zu, dass er gelegentlich wütend wird – trotz jahrzehntelanger spiritueller Praxis.

Wie Wut entsteht

Wut ist oft Ausdruck von Frustration. Wir ärgern uns, weil etwas nicht so klappt, wie wir es wollen. Zum Beispiel der morgendliche Ablauf in der Familie, bei dem alle funktionieren müssen. Wie bei Anne und ihrer Tochter Klara (4): Anne ist wütend, weil Klara ihre Jacke nicht anziehen will und immer wieder wegläuft. Die Zeit wird knapp und Annes Geduldsfaden reißt. Sie schnappt Klaras Arm, hält sie fest und schimpft: „Verdammt noch mal, Klara, du ziehst jetzt sofort die Jacke an! Immer dieses Rumgezicke am Morgen, es reicht mir! Ich bin echt wütend auf dich!“ Das Mädchen beginnt zu weinen und schluchzt: „Aua, mein Arm.“
Diese Szene tut niemandem gut. Klara spürt den festen Griff und hört, dass sie der Grund für die Wut ihrer Mutter ist. Das schmerzt jede Kinderseele. Auch Anne fühlt sich schlecht. Sie macht sich Vorwürfe, weil sie zu fest zugegriffen hat. Gedanken wie „Ich bin eine schlechte Mutter“ kreisen in ihrem Kopf.

Verantwortung für die eigenen Emotionen

Ein Gefühl wie die Wut entsteht durch unsere Gedanken und Einstellungen. Bezogen auf Anne bedeutet dies: Die Tatsache, dass Klara die Jacke nicht anziehen mag, ist noch kein Grund für ihre Wut. Die Wut entsteht durch Annes aktuelle Stimmung (gereizt durch den Zeitdruck) und ihre grundsätzliche Lebenseinstellung (in diesem Fall etwa „Ich muss immer alles im Griff haben“). Das sind die persönlichen und unbewussten Zutaten, die zur Gefühlsexplosion führen. Doch Anne kann die Situation nachträglich entschärfen, indem sie sagt: „Hör mal, Klara, ich habe gesagt, dass ich wütend auf dich bin, aber das stimmte nicht. Ich war wütend, weil es nicht so lief, wie ich das wollte. Und es war nicht richtig von mir, dir dafür die Schuld zu geben und dir wehzutun. Das tut mir leid.“
Noch besser wäre es, wenn es gar nicht erst zu der Situation käme. Wie kann ich als Mutter oder Vater meine Wut zeigen, ohne sie an meinem Kind auszulassen? Das gelingt, wenn ich von Anfang an die Verantwortung für meine Gefühle übernehme. Dafür brauche ich einen guten Kontakt zu mir, meiner Stimmung und meinen Bedürfnissen. Wie geht es mir? Was stresst mich? Was frustriert mich?
Wenn Anne die Antworten darauf kennt, dann kann das morgendliche Anziehen anders verlaufen: „Hör mal, Klara, mir geht es gerade nicht gut, weil ich gestresst bin und ganz pünktlich im Büro sein muss. Ich will, dass du jetzt die Jacke anziehst!“ Punkt. Wenn Klara sich weiter weigert, dann einfach ohne Jacke ab ins Auto und die Jacke mitnehmen. „Handeln statt sich zu verbeißen“ ist die Idee dahinter. Klingt leicht, ist aber oft schwer, denn es setzt Selbstreflexion bei uns Eltern voraus. Doch genau diese Innenschau und die Übernahme von Verantwortung ermöglichen es, dass unser Kind unsere Wut nicht abbekommt, sondern etwas aus ihr lernen kann. 

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