Papst Franziskus billigt erforderliches WunderJohn Henry Newman wird heiliggesprochen

Der englische Kardinal John Henry Newman, eine der prägendsten katholischen Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, wird heiliggesprochen. Wie der Vatikan Mitte Februar mitteilte, hat Papst Franziskus das erforderliche zweite Wunder gebilligt und die vatikanische Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsverfahren beauftragt, die Kanonisierung vozubereiten. Auch die indische Ordensgründerin Mariam Thresia Chiramel Mankidiyan (1876–1926) wird demnach heiliggesprochen. Als möglicher Termin für beide gilt in Rom der kommende Oktober.

Bereits im vergangenen Herbst war bekannt geworden, dass medizinische Gutachter der Kurie ein Kardinal Newman zugeschriebenes neues Wunder anerkannt haben. Demnach soll in der Erzdiözese Chicago eine schwangere Frau lebensbedrohlich erkrankt gewesen und nach der Bitte um Newmans Fürsprache geheilt worden sein. Bei einem ersten Wunder, das Voraussetzung für die Seligsprechung war, ging es um den Fall des Bostoner Diakons Jack Sullivan, der von einem Wirbelsäulenleiden geheilt worden sein soll.

John Henry Newman wurde 1801 als Sohn einer frommen Bankiersfamilie in London geboren. Ursprünglich ein entschiedener Gegner des römischen Papsttums, ließ er sich zunächst zum anglikanischen Priester weihen und wurde Professor und Universitätsprediger in Oxford. Unter dem Eindruck einer vertieften Beschäftigung mit den Kirchenvätern und in Auseinandersetzung mit dem liberalen Flügel der anglikanischen Kirche näherte sich Newman in der Folgezeit immer stärker katholischen Positionen an, vor allem beim Sakramentsverständnis und der Lehre von der apostolischen Sukzession. 1845 trat er zur katholischen Kirche über, wurde katholischer Priester und schließlich Kardinal, ohne zuvor Bischof gewesen zu sein.

Newman hinterließ ein umfangreiches theologisches Werk, dessen Gesamtausgabe aus 37 Bänden besteht. Zu seinen bekanntesten Büchern gehört die „Apologia pro vita sua“, in der er die Gründe für seine Konversion beschreibt und die mit Augustinus‘ „Confessiones“ und Pascals „Pensées“ verglichen wurde. Newman beeinflusste so unterschiedliche Denker wie Edith Stein, Karl Rahner, Hans Urs von Balthasar oder Joseph Ratzinger. Seine Thesen zur Bedeutung der Laien für die Formulierung und Weitergabe der Glaubenslehre prägten unter anderem die Kirchenkonstitution „Lumen Gentium“ des Zweiten Vatikanischen Konzils. Außerdem war Newman ein Freund der schönen Künste. Er spielte Geige und hinterließ zahlreiche literarische Arbeiten. Edward Elgars Oratorium „The Dream of Gerontius“, eines der großen Meisterwerke der romantischen Sakralmusik, basiert auf dem gleichnamigen Gedicht Newmans. 1890 starb John Henry Newman in Birmingham. Benedikt XVI. sprach ihn dort im Jahr 2010 selig und würdigte dabei die britische „Tradition einer edlen Gelehrsamkeit, einer tiefgründigen menschlichen Weisheit und einer tiefempfundenen Liebe zum Herrn“, in der Newman stehe. Lucas Wiegelmann

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