ReligionsforschungMit Eugen Biser für eine Theologie der Zukunft

Mit seiner Theologie überwindet – so stellt Martin Thurner in seiner Einführung fest – „Biser nicht nur das Trennende zu den evangelisch-reformatorischen Kirchen mit ihrer Distanz zu den Institutionen und zu den orthodoxen Ostkirchen mit ihrer pneumatischen Bildwelt, sondern auch die Scheidung zwischen Welt- und Heilsgeschichte.“

Eugen Biser (1918–2014) gehört zweifellos zu den interessantesten und zukunftsweisenden Theologen seines Jahrhunderts. In über hundert Büchern hat er sich wie kaum ein anderer mit den theologischen Disziplinen, mit Literatur, Kunst und Musik, mit der säkularen Welt, mit dem modernen Atheismus und mit den Weltreligionen auseinandergesetzt. Deshalb ist es gut, dass jetzt ein Werk erschienen ist, das dieses facettenreiche Schaffen anhand der Hauptwerke würdigt und auf diese Weise die Diskussion bereichert und inspiriert.

Mit seiner Theologie überwindet – so stellt Martin Thurner in seiner Einführung fest – „Biser nicht nur das Trennende zu den evangelisch-reformatorischen Kirchen mit ihrer Distanz zu den Institutionen und zu den orthodoxen Ostkirchen mit ihrer pneumatischen Bildwelt, sondern auch die Scheidung zwischen Welt- und Heilsgeschichte.“ Hinzu kommt „eine ganz neue Sicht der anderen Weltreligionen. Wenn man die anderen Religionen potenziell auch als Orte der Gegenwart des Heiligen Geistes deuten kann, dann ermöglicht sich damit für die christliche Kultur ein neuer Weg, … in einen fruchtbaren, auf gegenseitige Bereicherung angelegten Dialog zu treten.“ Hans Maier fasst Bisers Theologie zusammen, indem er sagt, „dass er die Tradition kirchlicher Angst- und Drohpädagogik überwunden und in Jesus den Gott der bedingungslosen Liebe neu entdeckt hat.“

Die weiteren Beiträge stellen insofern eine Besonderheit dar, als zwölf Beitragende je ein Werk Bisers mit seinem spezifischen Schwerpunkt vorstellen und wissenschaftlich diskutieren, gefolgt von drei weiteren Beiträgen zu je einem Band der Trilogie, die weitestgehend aus dem Nachlass veröffentlicht wurde. Alles wird zukunftsweisend beendet durch einen Beitrag von Richard Heinzmann über „Neuansatz und Konsequenzen der Theologie Eugen Bisers“. Darin heißt es: „Mit seinem Verständnis des Christentums durchbricht Biser alle Engführungen und Abgrenzungen der Theologie hinein in die Offenheit der Transzendenz Gottes, der Liebe ist. Die Frage nach dem Identitätsgrund des Christentums und den sich daraus ergebenden Konsequenzen ist streng genommen das eine Thema, dem Eugen Biser ein langes und nicht immer leichtes wissenschaftliches Leben hindurch unbeirrt nachging.“

Ein kommentiertes Personenregister zur Zeittafel, die Werke Eugen Bisers (Auswahl), ausgewählte Schriften zu Leben und Werk Eugen Bisers sowie ein Anhang zu den Autoren und ein Personen- wie Sachregister schließen dieses höchst wertvolle Werk ab.

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