Christenverfolgung in PakistanWenn Gerichte Gerüchten statt Beweisen folgen

„Wir müssen weiterhin auf allen Ebenen kämpfen, um das ungerechte Gesetz der Gotteslästerung zu ändern. Dieses Gesetz wurde zu lange missbraucht und Christen sind oft unschuldige Opfer“, sagte Anwalt Khalil Tahir Sandhu.

Elf Jahre saß der pakistanische Christ Imran Masih unschuldig wegen „Gotteslästerung“ im Gefängnis. Nun hat das höchste Gericht in Lahore ihn freigesprochen, wie das österreichische Hilfswerk „Christen in Not“ meldete. Das angebliche Verbrechen: Masih, ein Buchhändler, soll 2009 bei einer Aufräumaktion seines Geschäfts Seiten des Korans verbrannt haben.

Sein inzwischen verstorbener Vater war sicher, dass ein muslimischer Geschäfts-Konkurrent dieses Gerücht als Vorwand erfand, um Masihs Buchladen loszuwerden. Über Moscheen im Umkreis ließ der Rivale seinen Vorwurf weiter verbreiten. Darauf erschien ein wütender Mob radikaler Muslime vor Masihs Haus und schlug ihn zusammen. Ein Gericht verurteilte den Christen kurzherhand zu lebenslanger Haft. Seine Familie musste wegen ständiger Morddrohungen im Untergrund leben und war auf finanzielle Hilfe von „Christen in Not“ angewiesen. Das Hilfswerk stellte auch einen Rechtsanwalt für Masih und ermöglichte zwei Berufungsverfahren. Mehr als siebzig Mal wurden Anhörungen verschoben. 2019 wurde schließlich erreicht, dass Masihs Strafe zunächst auf 35 Jahre Gefängnis reduziert wurde. Vor Weihnachten folgte kürzlich der Freispruch, der Vorwurf galt nun offiziell als haltlos. „Heute ist ein elfjähriges Martyrium zu Ende gegangen. Das wird endlich wieder ein glückliches Weihnachtsfest bei der Familie“, sagte der Generalsekretär von „Christen in Not“, Elmar Kuhn. Imran Masihs Eltern sind während der Haft ihres Sohnes allerdings verstorben. Ihre Gesundheit hatte sich im Untergrund immer weiter verschlechtert.

„Wir müssen weiterhin auf allen Ebenen kämpfen, um dieses ungerechte Gesetz der Gotteslästerung zu ändern. Dieses Gesetz wurde zu lange missbraucht und Christen sind oft unschuldige Opfer“, sagte Masihs Anwalt Khalil Tahir Sandhu. Oft bedrohen radikale Muslime die Angehörigen religiöser Minderheiten, besonders Christen, und unterstellen ihnen Blasphemie. Gerichte verurteilen die Beschuldigten dann vorschnell und unkritisch.

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