Erste Bilanz der JugendsynodeJunge Kirche?

Gerade im Blick auf junge Leute hat die Kirche oft Antworten auf Fragen, die gar niemand gestellt hat. Es braucht echte Reformen – auch um den Preis, dass manche traditionell Orientierte diesen Weg nicht mitgehen können.

Eine vatikanische Bischofssynode hat immer auch etwas von großer Koalition: Wenn Partner, die eigentlich für verschiedene Dinge stehen, zusammenkommen sollen, bleibt das Ergebnis oft dürftig, der sprichwörtliche kleinste gemeinsame Nenner. Das kann man am Koalitionsvertrag der Berliner Regierung ablesen und eben genauso am Abschlussdokument der jetzt nach gut drei Wochen beendeten Zusammenkunft über „Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung“ in Rom. Weil der 55-seitige Endtext in allen Punkten eine Zweidrittelmehrheit brauchte, um angenommen zu werden, hat man den teilweise mutig formulierten Entwurf in 360 Änderungsanträgen weichgespült. So wurde zum Beispiel anfangs gefordert, die Kirche möge ihre „verurteilende Haltung“ in Fragen der Sexualität aufgeben. Das findet sich im Abschlussdokument nicht mehr. Stattdessen betont der betreffende Artikel nun, die Kirche verfüge über eine reiche Tradition auf diesem Feld, zu finden etwa im Katechismus oder in der Theologie des Leibes von Johannes Paul II.

Wollte die Kirche nicht gerade jungen Leuten näherkommen? Hat man eine weltweite Online-Umfrage gebraucht, Rückmeldungen aus den Bischofskonferenzen eingeholt und eine Vorsynode mit 300 jungen Menschen veranstaltet, um am Ende zu einem derart weltfremden, harmlosen „Ergebnis“ zu gelangen? Es scheint, dass die weltweite Kirchenleitung den Ernst der Lage immer noch nicht begriffen hat. Vielleicht weil Kardinäle und Bischöfe vor allem Festgottesdienste feiern, bei denen die Gotteshäuser voll sind, auch mit etlichen jungen Leuten? Doch der Alltag sieht anders aus. Kirche spielt für junge Leute in der Regel kaum eine Rolle mehr, woran nicht zuletzt viele Großeltern und Eltern leiden. Wer sich am Sonntag in einer ganz normalen Pfarrei umschaut und die Entwicklung zehn, zwanzig Jahre vorausdenkt, muss größte Sorge um den Bestand des Christentums haben – mit unabsehbaren Folgen für die ganze Gesellschaft.

Immerhin einen Wert hat das Abschlussdokument doch: Es lässt erahnen, wie breit die Gräben in der Kirche sind: zwischen „Reformern“ und „Bewahrern“, auch hinsichtlich der kulturellen Unterschiede zwischen den Ortskirchen weltweit. Der Ausweg aus diesem Dilemma darf aber nicht länger der kleinste gemeinsame Nenner sein, damit nicht auch noch die letzten Wohlmeinenden aus der Kirche ausziehen. Es muss sich jetzt etwas tun. Echte Reformen, etwa bei der Geschlechtergerechtigkeit und beim Vertrauen in die Kompetenz der Laien, müssen her – auch um den Preis, dass manche traditionell Orientierte diesen Weg nicht mitgehen können. „Die Kirche lebt. Und die Kirche ist jung“, hatte Joseph Ratzinger bei seinem Amtsantritt als Papst gesagt. Das sollte mehr sein als ein frommer Wunsch.

Lesen Sie außerdem zur Frauenfrage den Artikel "Habemus Feminas" von Stephan Langer, den Artikel "Wann endlich tut sich was?" zur Zukunft der Kirche vom Theologen Hans Waldenfels oder zum Glaubensverlust den Artikel "Gläubiges Staunen" von Johannes Röser.

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