Teresa von AvilaTeresas Abenteuer

In Christus ging Gott aufs Ganze. Mit dieser Leidenschaft soll sich auch der Mensch für Gott entscheiden, sagt Teresa von Ávila.

Die Glaubenslehrerin aus Ávila ist einem belesenen Publikum zwar bekannt, theologische Erschließungen ihres Werks gibt es jedoch nur wenige. Das vorliegende Buch bietet eine aus den reichen Quellen erarbeitete Gesamtperspektive, mit sehr vielen Originalzitaten, klarer Gedankenführung und systematischer Kraft. Trefflich wird der Kern von Teresas Glaubensweg entfaltet: „Erfahrung Gottes als von Gott geschenkt erfahren, im Gott-Wollen und in dessen geäußerter Gestalt: im Tun seines Willens“. Der Theologe und Autor Klaus Kleffner erschließt zunächst ihr Verständnis von Gott und Mensch, mit Recht den wechselseitigen Beziehungs-Charakter unterstreichend. Vor allem im kontemplativen Gebet wird diese Freundschaft real und entfaltet sie sich.

Im zweiten Teil der umfangreichen Arbeit erläutert Kleffner neuartig und beispielhaft ein Zentralmotiv Teresas: „Die entschlossene Entschlossenheit“ – auch als Gottesprädikat, als Ausdruck der Menschenwürde. Weil Gott in Christus und zumal in dessen Erniedrigung bis zum Äußersten sich für Welt und Mensch entschieden hat, kann und soll sich der Mensch mit aller Leidenschaft und Konsequenz für Gott entscheiden. Dies ist eine unendliche Wachstumsgeschichte in Nüchternheit und Überschwang. Teresas Leben und Weg gehen aufs Ganze. Wichtig ist dabei, dass die von Natur aus entscheidungsfreudige Teresa als erfahrene Glaubensbegleiterin stets vor Extremen warnt: Übertriebene Askese oder überanstrengende Willentlichkeit werden von ihr immer wieder gebrandmarkt, ebenso aber auch Halbherzigkeit und Unentschlossenheit.

Gottes „Zuerstliebe“ zeigt sich konkret in seiner Vorsehung, und diese ist nicht ein Gedanke, sondern sein ständiges Wirken in der Welt und sein Handeln am Menschen, durch ihn und mit ihm. „Gottes untertänigster Dienst am Menschen“ ist es also, der diesen zu antwortender Liebe hinreißt und dementsprechend zu einer geerdeten Glaubenspraxis. Der innere Zusammenhang von Ermutigung und Zumutung im Abenteuer des Glaubens, im transformierenden und reformierenden Handeln Gottes am Menschen, an der Kirche und damit an der Welt wird brillant herausgearbeitet. Farbig steht das sympathische Bild der „Gottesmutter“ Teresa vor Augen, und das verdrängte Zentralwort „Vorsehung“ gewinnt theologisch Kontur und gelebte Konkretion. Schade nur, dass erschließende Register fehlen.

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