Kirchen in LateinamerikaMal steuerfrei, mal eine Bushaltestelle?

In dem Maße, in dem die katholische Kirche in weiten Teilen Lateinamerikas ihren gesellschaftlichen Einfluss einbüßt, ihre religiöse „Monopolstellung“ von einst endgültig verliert, werden die wachsenden pfingstlerischen sowie evangelikalen Gemeinschaften mit neuen „Privilegien“ ausgestattet. Diese zuvor nicht gewohnte Konkurrenz hat nun in der Sechs-Millionen-Metropole Rio de Janeiro bösen Verdacht gegen Bürgermeister Marcelo Crivella geweckt, der sich zugleich „Bischof“ seiner „Universalkirche vom Reich Gottes“ nennt. Gegen ihn hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet.

Bürgermeister Crivella wird unter anderem vorgeworfen, den freien religiösen Gemeinschaften insbesondere evangelikaler Prägung Steuervorteile versprochen zu haben. Den zugehörigen Pastoren und deren Familien soll eine Vorzugsbehandlung in öffentlichen Einrichtungen, insbesondere in Krankenhäusern und Schulen, zugesichert worden sein. Mitglieder verschiedener evangelikaler Kirchen erhalten angeblich rascher einen Termin für chirurgische Eingriffe als andere Patienten, die darauf oft monate-, manchmal jahrelang warten müssen, weil die staatlichen beziehungsweise kommunalen Gesundheitseinrichtungen finanziell völlig unzureichend ausgestattet sind. In öffentlichen Schulen ließ Marcelo Crivella laut Pressemeldungen Werbekampagnen für seine „Universalkirche“ veranstalten. Außerdem soll Freikirchen in Aussicht gestellt worden sein, dass Bushaltestellen in die Nähe ihrer Gotteshäuser verlegt würden.

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