PerikopenordnungNicht nur Lieblingsbibelstellen

Die entscheidende Frage beim Vorbereiten eines Gottesdienstes ist für Priester, Pfarrer und Pfarrerinnen sowie Prädikanten, welche Bibelstelle sie ihrer Predigt zugrunde legen. Während die katholische Kirche sich an einer festen Leseordnung orientiert und danach überwiegend auch die Predigten ausrichtet, sind die Prediger anderer Kirchen in der Auswahl ihrer Bibelstellen oftmals völlig frei. In den evangelischen Kirchen in Deutschland gilt die sogenannte Perikopenordnung (vgl. CIG Nr. 49/2017). Darin ist neben den Lesungstexten für jeden Sonntag und jeden Feiertag eine Bibelstelle als Predigttext vorgesehen. Verpflichtend ist diese Ordnung nicht. Ist es aber sinnvoll, nach den vorgegebenen Texten zu predigen, oder sollten die Pfarrer die Bibelstellen besser frei wählen?

Um Eintönigkeit bei den Predigten zu vermeiden, sei es durchaus sinnvoll, sich nach der Perikopenordnung zu richten, erklärte Thies Gundlach, Theologe und einer der Vizepräsidenten des Kirchenamts der evangelischen Kirche, in der Zeitschrift „Idea Spektrum“. Die Perikopenordnung zwinge Pfarrer und Gemeinde dazu, sich auch mit unbekannteren Stellen auseinanderzusetzen. Jeder „Pop- und Klassikradiozuhörer kennt ebenso wie die Netflix- oder Spotify-Nutzer“ das Phänomen: „Man hört und sieht – wenn man nicht aufpasst – im Grunde immer die gleichen Stücke, zwar von unterschiedlichen Interpreten und in unterschiedlichen Stilen vorgetragen, aber doch in einer Art Endlosschleife.“ So bestehe die Gefahr, dass nur noch die Lieblingstexte der Pfarrer zu hören wären, so Thies Gundlach.

Das Leben der verschiedenen Kirchengemeinden verlaufe jedoch unterschiedlich, entgegnet der Präses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden, Johannes Justus. Manche Themen betreffen die Menschen an einem Ort stärker, andere jedoch gar nicht. Daher müsse man immer auch die Situation der jeweiligen Gemeinden im Blick behalten. Manchmal sei eine Bibelstelle, die nicht in der Perikopenordnung steht, passender. „Wir wollen uns auf die Not und den Bedarf unserer Zuhörer einlassen und das richtige Wort zum richtigen Zeitpunkt predigen.“

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