Immer diese Geburtstagsgeschenke!Prinzipientreu

Hello Kitty-Rucksäcke, Eiskönigin-Leggings und Bob der Baumeister-Mützen lehnt unsere Kolumnistin Astrid Herbold kategorisch ab. Jedenfalls meistens

Hello Kitty-Rucksäcke, Eiskönigin-Leggings und Bob der Baumeister-Mützen lehnt unsere Kolumnistin Astrid Herbold kategorisch ab. Jedenfalls meistens
© Daniela Kohl

Am Kindergeburtstag Tiefkühlpizza aufbacken und dazu Paprikastreifen und Gurkenscheiben auftischen – zu dieser Sorte Mütter gehöre ich. Wenn das Essen zerkrümelt wurde und die ganze Bande sich heiser geschrien hat, ist die Feier vorbei und darf als gelungen gelten. Zum Abschied gibt’s einen feuchten Händedruck und kleine Butterbrotpapiertüten mit drei Gummibärchen und sieben Smarties drin. Auf Give-aways aus Plastik (heißt das wirklich: „Mit gebsel“?) verzichte ich – aus einer Mischung aus Zeitnot, Geiz und Öko-Gewissen. Landet ja sowieso nur im Müll.

Auf einer Skala von eins bis zehn würde ich meine kreativen Kindergeburtstagskompetenzen bei viereinhalb einstufen. Zehn: Das sind diese Eltern, die ihre komplette Wohnung dekorieren. Die Ponys mieten, Bällebäder aufstellen, mit den Kindern schmieden, löten, töpfern. Immer kombiniert mit einer extravaganten Mottoparty natürlich. Jedes Jahr werden ihre Ideen wilder, ihre Geschenke ausgefallener, ihr Einfallsreichtum erschreckender.

Mir fällt schon bei den eigenen Kindern nie ein, was ich ihnen kaufen könnte. Bei fremden noch weniger. Also verschenken wir fast ausschließlich Bücher. Bücher gehen immer, finde ich. Gute Bücher kann man nicht genug haben, sie halten lange, bestenfalls vererbt man sie irgendwann an die jüngeren Geschwister. Leider scheint es sich rumgesprochen zu haben, dass wir zu papiernen Mitbringseln neigen. Jedenfalls schrieb mir eine Mama, die ich neulich auf WhatsApp fragte, was sich ihr Sohn wünsche, zurück: „KEINE BÜCHER!“ Okay. Aber was dann? Ihre Antwort kam prompt: „Irgendwas von Star Wars.“

Merchandising ist eine Form von ästhetischer Umweltverschmutzung

Vorsichtig ausgedrückt könnte man sagen, dass ich eine leichte Aversion gegen Merchandisingprodukte habe. Meistens ist das Zeug schlecht verarbeitet und total überteuert. Das ist nicht der einzige Grund, warum es mir widerstrebt, dafür Geld auszugeben. Sind Kinder wandelnde Werbetafeln? Wie würden wir Erwachsene uns fühlen, wenn all unsere Klamotten, Taschen, Mützen, Schuhe, Schals – ja, sogar unsere Bettwäsche – mit affigen Figuren und aufdringlichen Schriftzügen versehen wären?

Merchandising ist eine Form von ästhetischer Umweltverschmutzung. So sehe ich das. Erfunden, um mit erfolgreichen Büchern oder TV-Serien jahrelang viel Geld verdienen zu können. Nach dem Motto: Wenn wir die Kleinen schon mal am Haken haben, dann schröpfen wir doch gleich noch die Großen. Merchandisingzeug ist das Gegenteil von schön. Das Gegenteil von sinnvoll und nachhaltig. Wer mehrere Kinder (womöglich noch unterschiedlichen Geschlechts) hat, der weiß, wovon ich spreche. Nichts aus dem Lillifee-Fundus der großen Schwester wollte die Mia and me-fixierte kleine Schwester haben. Und heute? Who the f*** ist Mia and me? Die Cousine durchlief eine intensive Eiskönigin-Phase, das Patenkind akzeptierte nur gelbe Minions-Fanartikel.

Ich halte stand, so gut ich kann. Aber zur Wahrheit gehört auch: Manchmal schlägt Pragmatik Prinzipientreue. Dem kleinen „KEIN BUCH!“-Kandidaten haben wir am Ende eine Star Wars-Brotbox mitgebracht. Das Geburtstagskind war völlig aus dem Häuschen vor Freude. Zwei Tage später ist der Verschluss abgebrochen.

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