VerdauungsbeschwerdenWenn nix mehr geht

Verstopfungen sind bei Kindern keine Seltenheit, meist jedoch ein vorübergehendes Problem. Wenn sich die Kleinen aber dauerhaft mit zu seltenem und zu hartem Stuhlgang herumquälen, sollten Eltern handeln

Bereits kleine Kinder haben öfter Verdauungsbeschwerden
Bereits kleine Kinder haben öfter Verdauungsbeschwerden© Irina Schmidt - Adobe Stock

Auch wenn einmal täglich als normal gilt, gibt es aus medizinischer Sicht keine Vorgabe, wie häufig ein Kind Stuhlgang haben sollte. Für Kinder ab einem Jahr ist zwischen dreimal am Tag und zweimal pro Woche alles normal. Von Verstopfung spricht man erst dann, wenn der Stuhl hart ist und die Entleerung nur einmal wöchentlich oder seltener erfolgt. Hält dies länger als zwei Monate an, handelt es sich um eine chronische Verstopfung.

Falsche Ernährung mit zu wenigen Ballaststoffen, eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme und zu wenig Bewegung sind die häufi gsten Ursachen für Verstopfungen. Ist der Stuhlgang erst einmal hart, tut die Darmentleerung meist ziemlich weh. Das Kind hält aus Angst vor erneuten Schmerzen den Stuhl zurück. Bleibt dieser jedoch länger im Darm, wird er stärker eingedickt und damit noch härter, der Toilettengang noch schmerzhafter. Ein Teufelskreis entsteht.

Am Anfang einer Verstopfung können aber auch ein wunder Po, der Schmerzen bei der Darmentleerung verursacht, eine Antibiotikabehandlung oder auch Schamgefühle stehen. In manchen Fällen führen eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) oder eine Unterfunktion der Schilddrüse zu anhaltender Verstopfung. Organische Ursachen, wie Veränderungen am Darm, sind dagegen selten.

Hat Ihr Kind länger als fünf Tage keinen Stuhlgang, sollte es vom Kinderarzt untersucht werden. Bestehen daneben noch starke Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe oder Erbrechen, sollten Sie sofort den Arzt aufsuchen.

Mit der richtigen Ernährung vorbeugen

Um die Verdauung in Schwung zu halten, sollte Ihr Kind ausreichend trinken: am besten Mineralwasser, ungesüßten Tee oder Saftschorle, jedoch keinen Kakao und eher wenig Milch. Stattdessen sind gesäuerte Milchprodukte wie Joghurt, Buttermilch oder auch Kefir zu empfehlen. Bieten Sie mehr ballaststoffhaltige Lebensmittel wie Gemüse, Obst (Pflaumen, Äpfel, Melonen, Birnen oder Aprikosen) und fein gemahlene Vollkornprodukte an. Auch eingeweichtes Dörrobst oder geschrotete Leinsamen machen den Stuhl weich. Für Kleinkinder eignen sich insbesondere Vollkornbreie und Birnenmus. Gute Effekte erzielen Sie auch, wenn Sie Ihrem Kind morgens vor dem Frühstück ein Glas Saft (zum Beispiel Traube, Birne oder Apfel) geben. Ein Glas lauwarmes Wasser mit Zitrone und etwas Honig regt ebenso den Darm an. Schränken Sie stopfende Nahrungsmittel wie Bananen, Weißbrot, Kuchen, Fastfood und Süßigkeiten (vor allem Schokolade) ein, beziehungsweise verzichten Sie ganz darauf. Bitte bedenken Sie, dass die Wirkung einer Ernährungsumstellung nicht sofort einsetzt – haben Sie also etwas Geduld.

Der Darm ist ein "Gewohnheitstier"

Durch einen regelmäßigen Tagesablauf lässt sich der Darm sehr gut „erziehen“. Wichtig sind feste Essenszeiten, damit sich die Verdauung Ihres Kindes darauf einstellen kann. Auch der Toilettengang sollte möglichst immer zur selben Tageszeit erfolgen. Der beste Zeitpunkt hierfür ist ungefähr 15 Minuten nach den Hauptmahlzeiten, insbesondere nach dem Frühstück. Wenn der Magen durch das Essen gedehnt wird, führt dies zu einer Reflexbewegung des Dickdarmes, die den Darminhalt weiterschiebt und oft auch für Stuhldrang sorgt. Wichtig ist, dass Sie Ihrem Kind genügend Zeit lassen. Es sollte jedoch nicht länger als fünf bis zehn Minuten auf der Toilette verbringen. Auch ein entspanntes Sitzen erleichtert den Stuhlgang und kann der Entstehung von Verstopfungen vorbeugen. Daher sollten Sie einen passenden Aufsatz mit einem Hocker zum Abstellen der Beine oder einen speziellen Toilettenstuhl bereithalten. Des Weiteren helfen ausreichend Bewegung oder eine sanfte Bauchmassage im Uhrzeigersinn die Darmmotorik anzuregen.

Manchmal hilft nur ein Abführmittel

Ist Ihr Kind bereits verstopft und quält sich mit hartem, schmerzhaftem Stuhlgang herum, ist es essenziell, dass der Stuhl weich gemacht wird. Falls die oben genannten Empfehlungen zum Lösen einer Verstopfung nicht ausreichen, greifen Sie nicht zu pfl anzlichen Abführmitteln, denn diese sind für Kinder oft ungeeignet. Lassen Sie sich stattdessen von Ihrem Kinderarzt ein mildes Abführmittel verordnen, das nicht aus dem Darm resorbiert wird und keine Gewöhnung verursacht.

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