Schweizer Tagung zum „Mission Manifest“Die Thesen weiter denken und weiterdenken

Unter dem Titel „Mission Manifest“ wollte eine vom Studienzentrum für Glaube und Gesellschaft der Universität Freiburg (Schweiz) ausgerichtete Tagung zur Klärung der Frage beitragen, „was Mission in der heutigen Zeit bedeutet und in welchem Rahmen ein missionarischer Aufbruch in der Kirche erfolgen soll“. Weil der Rezeptionsprozess des „Mission Manifest“, der Streit um das Für und Wider schon im Gang ist (vgl. HK, Oktober 2018, 50-51), wurde der Anlass zu einem Gespräch über die „Thesen für das Comeback der Kirche“ und das sie kommentierende Buch.

Zunächst führten die Initianten in ihr Manifest ein. Für den Mitinitianten Martin Iten will es einen Dialog anstoßen, die Idee einer missionarischen Kirche begreiflich machen und dem Auftrag konkret nachspüren; mit einem Bild aus der Welt des Sports: auf das Tor aufmerksam machen und zum Tore schießen ermutigen. Als Initiant und Herausgeber formulierte Johannes Hartl Impulse für den deutschsprachigen Raum, wobei er sich bemühte, vor allem vier in Veröffentlichungen genannte Kritikpunkte zu widerlegen: die Vernachlässigung der Diakonie, die Geringschätzung der Volkskirche, die Vereinfachung der Komplexität und ein zu unreflektiertes Wahrheitsverständnis. Unterstützt wurde er mit autobiografischen Erfahrungsberichten von Magdalena Hegglin als Mitunterzeichnerin sowie vom Einsiedler Abt Urban Federer, der auch Anfragen formulierte. Hilfreich war die von Martin Brüske (Universität Freiburg) vorgelegte Synopse zum Hintergrund des Manifests, indem er es in den Kontext des gegenwärtigen Pontifikats und der sozialwissenschaftlichen Überlegungen von Hans Joas zur Zukunft von Christentum und Kirche stellte.

Auf der anderen Seite wurden kritische Anfragen an das Manifest aus der Sicht der biblischen und der systematischen Theologie gestellt. Als Neutestamentler begrüßte Daniel Kosch die Frage, ob für die Kirche die Orientierung an Jesus zentral sei, als eine Herausforderung, der es sich zu stellen gelte. Anderseits bedauerte er verschiedene Engführungen und sogar Abwertungen, zumal in der Buchveröffentlichung. Als systematische Theologin kritisierte Gunda Werner (Universität Graz) namentlich die Konstruktion von Dichotomien und darin die Vermischung von Deskription und Wertung sowie die beanspruchte Deutungsmacht, wer warum der Missionierung bedarf. Für die Zukunft des „Mission Manifest“ empfiehlt sich der Rat von Daniel Kosch: die Thesen weiter denken und weiterdenken. Rolf Weibel

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