Johann Baptist MetzAdventliches Fragen

Fragen wir uns nur einmal in diesen adventlich-weihnachtlichen Tagen: Tun wir nicht heimlich so, als hätten wir Gott schon hinter uns, ganz und gar, als könnten wir – die Spätlinge des zwanzigsten Jahrhunderts post Christum natum – ihn nur finden in einem leise-schwermütigen Zurückdämmern unserer Herzen zur Krippe von Betlehem, zum Kind, das uns geschenkt ward? Haben wir mehr als die Vision dieses Kindes im Auge, wenn wir in unseren Gebeten und Liedern bekennen: Es ist Gottes Advent? Denken wir dabei an mehr als an den Gott unserer Erinnerungen und unserer Träume? Suchen wir ihn wirklich auch in unserer eigenen Zukunft? Sind wir selbst adventliche Menschen, mit einer Frage nach Christi Kommen im Herzen, mit Augen, die nach ihm ausspähen, die Horizonte unseres eigenen Lebens absuchen nach seinem dämmernden Antlitz? Geben wir dem „Advent“ Gottes wirklich noch eine „Zu-Kunft“? Oder haben wir nicht heimlich Gott in das Ghetto einer puren Vergangenheit gefesselt?

Johann Baptist Metz in: „Gott in Zeit“, Gesammelte Schriften Bd. 5, Hg. Johann Reikerstorfer (Herder, Freiburg 2017)

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