Handauflegen und HeilwerdenDer „handgreifliche“ Heiland

Berührung ist heilsam, jedenfalls wohlwollende. Das ist eine elementare Alltagserfahrung schon beim Handschlag oder Händchenhalten. Wahrscheinlich ist es sogar eine Bedingung gelingender Menschwerdung. Entsprechend ist gerade Handauflegen ein wichtiges Ritual in vielen Religionen und Kulturen.

Im biblischen Schöpfungsglauben und im christlichen Erlösungsbewusstsein spielt naturgemäß der heilende Gott eine zentrale Rolle. Warum sonst die vielen Heilungsgeschichten und das Vertrauen in die Heilkraft des Geschaffenen? Das Bekenntnis zu Christus, dem Heiland und Arzt, ist von früh an in einer „handgreiflichen“ Kultur des Segnens, Heilens und Berührens verankert – bis in die Spendung der Sakramente und die Segnung des Alltäglichen. Der Leib ist der Ort, an dem der Heilige und heilende Geist wirkt.

Glaubenssprache ist wesentlich Körpersprache. Hand und Handlung gehören nicht nur sprachlich zusammen, und Berührung ist Kraftübertragung – in jenem energetischen Feld, das man Heiliger Geist nennt. All dies setzt die Autorin des vorliegenden Werks, die reformierte Theologin Anemone Eglin, voraus – und entdeckt es neu. Sie sucht dabei das Gespräch mit anderen Religionen, etwa dem Buddhismus, und natürlich mit humanistischen Weisen ganzheitlichen Umgangs. Nicht die Unterscheidung der Geister steht im Vordergrund, sondern die Gemeinsamkeit im Gott- und Schöpfungsvertrauen, was die nüchterne Abgrenzung gegenüber möglichem Missbrauch einschließt. Anemone Eglins Überlegungen gründen auf inzwischen langjähriger Praxis des Handauflegens. Eindrucksvoll sind besonders ihre Erfahrungsberichte, vertiefend ihre Reflexionen und Fundstücke.

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Eglin, Anemone

Handauflegen mit Herz und VerstandHintergrund – Praxis – Reflexionen

Theologischer Verlag Zürich, 2019, 176 S., 16 €

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