KonflikteLiteratur als Frühwarnsystem

Häufig zeigt sich die Gewalt extremistischer Gruppen in der Literatur eines Landes, bevor sie tatsächlich ausbricht. Das ergab eine Studie der Universität Tübingen. Einer der Partner der Wissenschaftler ist der nigerianische Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka. Im Interview mit der Online-Zeitschrift „Internationale Politik und Gesellschaft“ erklärt er: Literatur „bewirkt etwas im Zusammenspiel mit gesellschaftlichen Gruppen, dem Staat oder der Familie. Ihr Einfluss geht über Berufe hinweg, über Ideologien, sogar über wirtschaftliche Interessen. Der Schriftsteller ist ein Detektiv – aber einer, der etwas aufspürt, ehe es passiert. Vor dem Verbrechen. Zugleich ist er ein Amateurpsychologe, ein Amateurökonom, ein Amateurtechnologe. Er erforscht den Menschen und fügt grundverschiedene Elemente zu einem kohärenten Narrativ zusammen. Er sieht daher schon im Voraus Zusammenhänge… Eine engere Zusammenarbeit zwischen Schriftstellern und der Gesellschaft ist keine Zeitverschwendung. So könnten wir besser erkennen, was wahrscheinlich passieren wird oder sogar bereits geschieht, auch wenn es die Verantwortlichen noch gar nicht bemerkt haben.“

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