Bischofsernennungen in ChinaKardinal Zen rügt zu „weiche“ China-Politik des Vatikans

Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, der frühere Bischof von Hongkong, hat dem Vatikan einen „Ausverkauf“ der katholischen Kirche in China vorgeworfen. Dabei geht es um Bischofsernennungen, die seit langem ein Streitpunkt zwischen Peking und dem Vatikan sind. Der Kardinal hat nun vertrauliche Einzelheiten aus einem Gespräch mit dem Papst auf seiner Homepage veröffentlicht. Demnach hat er den Vatikan davor gewarnt, zwei von Peking ausgewählte Bischöfe als auch vom Papst anerkannte Bischöfe einzusetzen und an ihrer Stelle sogenannte Untergrundbischöfe zum Amtsverzicht zu drängen. Einer von Pekings Kandidaten, Huang Bingzhang, sei exkommuniziert, weil er ohne Erlaubnis Roms von Bischöfen der offiziellen, von der staatstreuen „Patriotischen Vereinigung“ gesteuerten Kirche geweiht worden war. Huang würde Peter Zhuang Jianjian ersetzen, den eine vatikanische Delegation zum Rücktritt aufgefordert haben soll.

Zen habe diesen Konflikt mit Papst Franziskus besprochen. Dieser verwies darauf, dass er keinen „zweiten Fall Mindszenty“ schaffen wolle. Der ungarische Kardinal und Erzbischof von Esztergom war eine Symbolfigur des Widerstands gegen den Kommunismus. Er wurde mehrfach inhaftiert, verbrachte fünfzehn Jahre „im Exil“ in der amerikanischen Botschaft in Budapest und kritisierte seinerseits die Ostpolitik des Vatikans als zu nachgiebig. 1974 wurde Mindszenty „aus pastoralen Erwägungen“ von seinem Amt entbunden.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin distanzierte sich von Zens Einschätzung. Eine persönliche Meinungsäußerung könne nicht als „einzige Interpretation dessen, was das Wohl der Katholiken in China ist“, angesehen werden. Polemik schade. Man müsse mit Bedacht „der objektiven Komplexität der Situation“ Rechnung tragen. Es sei nicht die Mission der Kirche in China, Strukturen oder die Verwaltung der Volksrepublik zu ändern, sondern den Menschen das Wort Gottes zu verkünden. „Und wenn jemand um ein Opfer gebeten wird, sei es groß oder klein, muss allen klar sein, dass es nicht der Preis für einen politischen Tauschhandel ist, sondern unter der biblischen Perspektive eines höheren Gutes erfolgt.“

Ab Februar verschärft die chinesische Staatsführung die Religionsgesetze, um Gläubige stärker zu kontrollieren.

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