Das große Erbe Christentum

Das „Erbe“ ist gut, das „Erbe“ ist wichtig, nicht nur das finanzielle. Daher gibt es ständig erweiterte Listen des Weltnaturerbes und des Weltkulturerbes. Sogar exotisches Brauchtum soll im Gedächtnis bewahrt werden.

Der Trend, die Vergangenheit dem Vergessen zu entreißen, setzt sich fort in unzähligen Ausstellungen und Heimatmuseen, die mit dem neuen Heimatgefühl wie Pilze aus dem Boden schießen. Museen sind die Tempel der Moderne geworden. Die Leute bewegen sich dort leise, andächtig, ehrfürchtiger als in den Touristenströmen, die durch die Kathedralen wandern. Auch diese sind zu Museen geworden, die als überdimensionales Schauobjekt Geschichte – Kunst- und Kulturgeschichte – erzählen. Besonders beliebt sind die jahrhundertealten Kirchengebäude bei Besuchern aus fernen – oft asiatischen – Kulturen, die das Christentum aus eigener Präsenz kaum kennen. So wirken die sakralen gottesdienstlichen Räume selber wie ein exotisches Relikt aus längst verflossenen Zeiten.

Geschichte überall. Auch auf dem Buchmarkt, mit sehr vielen Titeln, die Entschwundenes bergen und erklären wollen. Das betrifft in einem Segment auch die Religion, die ebenfalls als etwas Fremdes und Fernes in Erinnerung gerufen wird, als Religionsgeschichte. Aber auch als Zeitgeschichte? Überall heißt es, man müsse aus der Geschichte lernen. Wollen die Menschen das aber, geht das überhaupt? Was würde es bedeuten, aus der Überlieferung des Christentums fürs Christsein heute zu lernen? Vom Aggiornamento sprach das Zweite Vatikanische Konzil, was nicht billige Anpassung des Vergangenen an einen gegenwärtigen Zeitgeist meint, sondern Durchdringung von Zeit und Geist auf ihre wahren und wesentlichen Wurzeln hin: Identitätsbildung durch Geschichte, Kultur, durch das Erbe. Möglicherweise steckt darin mehr Sehnsucht, als es den Anschein hat. Vielleicht hat da sogar der christliche Glaube, das große Erbe Christentum, wieder eine Chance, nicht nur in Büchern, sondern im Geist und in der Wahrheit.

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