Das Kirchenjahr

Im Christentum richten sich Gottesdienstpraxis und Liturgie nach dem liturgischen Kalender. Den Mittelpunkt des Kirchenjahres bildet Ostern. An Ostern vergegenwärtigt sich die Kirche Tod und Auferstehung Jesu. Alle anderen Feste werden darauf bezogen.

Kirchenjahr
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Das Kirchenjahr erinnert wie das jüdische Festjahr daran, welche Ereignisse sich zwischen Gott und denen, die an ihn glauben, ereignet haben. Für die Feiernden wird jene Vergangenheit gegenwärtig und erhält existentielle Bedeutung: Sie erwarten die Vollendung des Heils in der Zukunft. Die Feiernden erinnern sich in der Liturgie an das Geschehen Gottes mit den Menschen im Alten und Neuen Testament. Diese Erinnerung soll das christliche Handeln prägen. Im Kirchenjahr wird die Gemeinschaft der Gläubigen mit Christus sichtbar. Daher stiftet seine Festfolge Identität für Kirche und Gemeinde. Das Kirchenjahr übersetzt die Heilsgeschichte gewissermaßen in menschliche Zeit. Es bildet den Rahmen ihrer gläubigen Gestaltung. Für Christen strukturieren die geprägten Festtage und Zeiten das Jahr und sind Ausdruck eines Grundvertrauens in das Leben.

Geschichtliche Entstehung des liturgischen Jahres

Im Lauf der Geschichte entwickelte das liturgische Jahr seine Gestalt in einem komplizierten Prozess. Zu Beginn werden nur der Sonntag und das Osterfest gefeiert. Im 4. und 5. Jahrhundert kommen die vorangehende Karwoche sowie die folgende Oster- und Pfingstzeit hinzu. Die Feier des Weihnachtsfestes mit Advents- und Weihnachtszeit entsteht vom 4. bis zum 6. Jahrhundert. Während des Mittelalters treten weitere Christus-, Heiligen- und Devotionsfeste wie Fronleichnam hinzu. Die Entstehung des Kirchenjahres wurde von vielen Faktoren beeinflusst: Neben dem jüdischen Festkalender spielten auch der Rhythmus der Natur, heidnische Feste, Menschenbilder der Zeit, Frömmigkeit und kirchengeschichtliche Ereignisse eine Rolle. Auch in der Neuzeit prägen Kirchenspaltung, Aufklärung und Säkularisierung die Form des liturgischen Jahres und seiner Feste. Das Kirchenjahr bestimmt zwar noch immer die Zeitordnung der Gesellschaft, einzelne Feste stehen unter gesetzlichem Schutz – das theologische Programm hat jedoch kaum noch seine prägende Bedeutung.

Struktur des Kirchenjahres

Grundsätzlich dreht sich das christliche Kirchenjahr um die zentralen Ereignisse von Jesu Geburt, seinem Tod und seiner Auferweckung: Weihnachten als Feiertag ist ein festes Datum, die drei österlichen Tage finden als bewegliches Fest jedes Jahr zu einem anderen Zeitpunkt statt. Mit der Adventszeit beginnt stets ein neues Kirchenjahr.

In der römisch-katholischen Kirche besteht das liturgische Jahr heute aus den drei österlichen Tagen mit der vorangehenden Buß- und Fastenzeit sowie der folgenden Osterzeit bis zum Pfingstfest. Nach dem Advent folgen das Weihnachtsfest und die Weihnachtszeit. Sie dauert von der ersten Vesper der Geburt Christi am 24. Dezember bis zum Sonntag nach dem 6. Januar. Die allgemeine Zeit des Kirchenjahres ist nicht durch einen bestimmten Aspekt des Christus-Geheimnisses geprägt. Verbindung zwischen liturgischem Jahr und meteorologischer Jahreszeit schaffen vier Quatembertage. Das sind Bußtage, die in etwa mit dem Beginn der Jahreszeiten zusammenfallen.

Diese Ordnung des liturgischen Jahres ähnelt dem liturgischen Jahr der Kirchen der Reformation. Unterschiede bestehen in den kleineren Festtagen wie der Feier des Reformations- und des Buß- und Bettages. Feste der Marien- und Heiligenverehrung werden in der evangelischen Kirche nicht gefeiert. Die Ostkirchen weichen von jener Ordnung ab. Neben der Fasten- und Osterzeit sind dort die Sonntage des Acht-Töne-Zyklus sowie die Feste des Zwölf-Monats-Zyklus bedeutsam.

Sonntage im Kirchenjahr

Im Schöpfungsbericht des Alten Testaments wird die Ruhe Gottes am siebten Tag nach Vollendung der Schöpfung beschrieben. An Stelle des jüdischen Sabbats ist im Christentum der Sonntag zum Ruhetag für den Menschen geworden. Nach neutestamentlicher Überlieferung fiel die Auferstehung Christi auf diesen Tag. Deshalb wird in christlichen Gemeinden sonntags in der feierlichen Eucharistie des Osterereignisses gedacht. Als Osterfest jeder Woche sind die Sonntage der Passionszeit vom Fasten ausgenommen.

Feste und Feiertage im Kirchenjahr

Über die Jahrhunderte hat die Kirche eine komplexe Festordnung entwickelt: Am wichtigsten sind die „Hochfeste“. Einen Rang darunter folgt das „Fest“, dann der „gebotene Gedenktag“ und schließlich der „nichtgebotene Gedenktag“.

Von zentraler Bedeutung ist der Osterfestkreis. Er beginnt am Aschermittwoch und wird somit von der Fastenzeit eröffnet. Sie umspannt die fünf Fastensonntage bis zu der mit Palmsonntag beginnenden heiligen Woche. Gründonnerstag wird das Letzte Abendmahls gefeiert. Diese abendliche Feier eröffnet das österliche Triduum, d. h. die drei österlichen Tage. Am Karfreitag wird nachmittags des Leidens und Sterbens Christi gedacht. Bis zum Beginn des Osterfestes in der Osternacht finden in Erinnerung an Jesu Grabesruhe keine Gottesdienste statt. Die Osternacht wird am Karsamstag nach Einbruch der Dunkelheit gefeiert und läutet das Hochfest der Auferstehung des Herrn ein.

Der Weihnachtsfestkreis ist der zweitwichtigste Teil des Kirchenjahres. Er dauert vom ersten Adventssonntag bis zum Fest der Taufe des Herrn am Sonntag, der auf den 6. Januar folgt. Die Adventszeit endet mit der ersten Vesper des Heiligen Abends. Jetzt folgen acht Festtage – die sog. „Weihnachtsoktav“ –, die mit dem Weihnachtsfest am 25. Dezember starten und das Fest des heiligen Stephanus, das Fest der Heiligen Familie sowie das Hochfest der Gottesmutter am 1. Januar umfassen. Als weiterer Höhepunkt schließt sich das Hochfest der Erscheinung des Herrn am 6. Januar an. Volkssprachlich ist der Tag als Heilige Drei Könige bekannt; er wird oft auch mit seinem griechischen Namen Epiphanie/Epiphanias bezeichnet.

Bedeutsame Festtage sind darüber hinaus Christi Himmelfahrt, das Pfingstfest, Fronleichnam, der Dreifaltigkeitssonntag, das Herz-Jesu-Fest und das Christkönigsfest. Andere Gedenktage beziehen sich auf Heilige oder kirchengeschichtliche Ereignisse, wie beispielsweise Allerseelen und Allerheiligen sowie Kirchweihfeste oder das Erntedankfest.

Die Farben des Kirchenjahres

Seit dem Mittelalter werden in der Kirche bestimmte Farben den Inhalten der Festtage zugeordnet. Seit dem Konzil von Trient im 16. Jahrhundert ist diese Zuordnung verbindlich. Die liturgischen Farben betonen den Charakter der gefeierten Ereignisse. Sie zeigen sich z. B. an der Kleidung der Priester und Liturgen sowie an anderen Textilien und am (Blumen-)Schmuck, die in der Liturgie oder im Kirchenraum zu sehen sind: Weiß tragen die Geistlichen während der Oster- und Weihnachtszeit, für Feste des Herrn, Marias, der Heiligen und Engel sowie für die Feier der Sakramente Taufe, Firmung, Ehe und Weihe. Rot ist die Farbe für Palmsonntag, Karfreitag, Kreuzerhöhung, Feste der Apostel und Märtyrer, Pfingsten und die Feier der Firmung. Violett wird für den Advent, die Passionszeit und bei der Liturgie für Verstorbene verwendet. Hierbei kann auch die Farbe Schwarz gewählt werden. In der Advents- und in der Fastenzeit gibt es zwei Sonntage, in denen schon ein Ausblick auf das Ende der Vorbereitungszeiten auf die beiden großen Feste gegeben wird. Nur an diesen beiden Tagen, d. h. am dritten Advent und am vierten Fastensonntag, ist die liturgische Farbe rosa. Der übrigen Zeit des Jahreskreises ist grün zugeordnet.

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