Auferstehung - Teilhabe an Gottes Welt

Ist mit dem Tod alles zu Ende? Und wenn nicht, was kommt?

Die Frage nach der Auferstehung der Toten erklären die einen zum Dreh- und Angelpunkt des christlichen Glaubens. Andere halten sie für eine billige Vertröstung. Für mich hat sich dieser Gegensatz nie so aufgetan. Als ich am offenen Sarg meiner Mutter stand, für die der Glaube in ihrem Leben Fels und Halt gewesen war, konnte ich beides sehen. Das Leben im christlichen Glauben, das eben durch diesen Glauben Orientierung gewonnen hatte, und die Hoffnung, dass dieses Leben gehalten sein werde über den Tod hinaus. Meine Schwester erzählt, dass meine Mutter kurz vor ihrem Tod zu ihr sagte: „Ich will heim.“ Meine Schwester fragte: „Zu Gott?“ Und sie sagte leise: „Ja, zum Vater.“ So ist sie gestorben, in dem Vertrauen, dass die Grenze des Todes keine Grenze zu Gott ist. Sie hat das Leben, das ihr geschenkt war, zurückgegeben in Gottes Hand, ohne Angst.

Ich finde es absurd, den Glauben an die Auferstehung als Vertröstung zu verstehen. In der Tat ist Religion manchmal so missbraucht worden, aber Glaube betäubt ja gerade nicht, sondern kann hell- wach werden lassen. Weil es Bilder von Gottes Zukunft gibt, weil Gottes Reich eines ist, in dem „Gerechtigkeit und Frieden sich küssen“ (Psalm 85), treten Christinnen und Christen schon hier und jetzt für Gerechtigkeit und Frieden ein. Weil wir an die Auferstehung von den Toten glauben, treten wir gegen den Tod an, der Leben zerstört. Die Kraft der Auferstehung wird immer schon in diesem Leben erfahren. Wie sie am Ende, nach dieser Welt ausschauen mag, das bleibt ein Geheimnis.

Im christlichen Glauben ist Liebe entscheidend: Der Tod hat nicht das letzte Wort, sondern das Leben. Liebe über den Tod hinaus kennen wir auch im Alltag. Ich denke an eine Frau, die ihren Mann im Herzen trägt, nicht zwanghaft – die Liebe ist da und bleibt über all die Jahre. Ich denke an Sarah, die Schwester eines der Opfer der Germanwings-Katastrophe vom März 2015. Im Kölner Dom betete sie: „Lieber Gott, gib unseren verunglückten Verwandten und Freunden ein neues Zuhause und pass immer auf sie auf.“ Das ist Liebe, die die Grenze des Todes überschreitet.

Wo immer Menschen hier in dieser Welt für das Leben eintreten, Liebe üben, gegen Unrecht und Krieg aufstehen, legen sie eine Spur der zukünftigen Welt Gottes. Das ist die Spannung zwischen dem, was schon hier erkennbar ist von Gott, und dem, was noch nicht erkennbar ist und damit ein Geheimnis bleibt, das wir nicht vollkommen begreifen. Jesus spricht davon, dass diejenigen, die an ihn glauben, ewiges Leben haben werden. Nach hebräischem Verständnis meint der Begriff der „Ewigkeit“ soviel wie „Teilhaben an der kommenden Welt“. Zu glauben und damit für das ewige Leben „gerettet“ zu sein, heißt also, dass mein Leben schon jetzt an Gottes Welt teilhat. Das Böse richtet sich selbst. Wer aber Gott vertraut, wird nicht gerichtet, sondern ist gehalten. Gott will Heil für die ganze Welt, das zeigt sich in Jesus, weil paradoxerweise in seinem Sterben die Liebe Gottes erkennbar wird. Sie ist so groß, dass sie sogar Leid und Tod mit den Menschen teilt. Dass diese Liebe sich gegen alle Ohnmacht als dem Bösen und dem Tod gegenüber überlegen zeigt, dieses Paradox des christlichen Glaubens bleibt eine Provokation.

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