Sakral und profan

Sakral, lat. = auf das „sacrum“, das Heilige bezogen), profan, lat. = was „pro“, vor, dem „fanum“, dem heiligen Bereich, liegend

Sakral (lat. = auf das „sacrum“, das Heilige bezogen) ist ein Wort, mit dem dasjenige bezeichnet werden soll, was in einer besonderen Weise zum Heiligen gehört oder auf es hingeordnet ist: der Kult, die durch Weihe zum Dienst am Heiligen bestellten Personen oder Dinge. Profan (lat. = was „pro“, vor, dem „fanum“, dem heiligen Bereich, liegend gedacht wird) sei der dem Heiligen entzogene Bereich, in einer bestimmten christlichen Auffassung die Welt, entweder verstanden als das Unheilige, Sündige, zur Sünde Verführende, oder das auf Autonomie von der Religion Beharrende. Dieses in der christlichen Tradition wiederholt auftauchende Modell geht von der Vorstellung aus, Bereiche der Welt ließen sich ausdrücklich dem Heiligen reservieren, Menschen und Dinge könnten sich zeitweise oder auf Dauer dorthin absondern lassen und nur von diesem sakralen Bereich aus sei ein unmittelbarer Bezug zu Gott möglich. Dagegen steht die religiöse und theologische Auffassung, dass das Christentum die Welt insofern als profan versteht, als sie von dem schöpferischen Willen Gottes in einen Prozess wachsender Selbständigkeit eingesetzt ist, der mit dem Prozess fortwährender Selbstmitteilung Gottes an die Kreatur verbunden ist und daher mit wachsender Selbständigkeit auch wachsende Nähe der Welt zu Gott bedeutet. Nach eben dieser Auffassung versteht sich das Christentum nicht als sakral, weil es von Gott nicht aus der Welt ausgegrenzt ist, sondern seinen Lebensvollzug in der Welt hat und haben soll. Die negative Prägung der Welt (ihre „konkupiszente Situation“) wird damit nicht geleugnet, aber die kritische Distanz des Christentums gegenüber dieser Situation besteht nicht in der Schaffung eines Sakralbereichs. Der zentrale „kultische“ Vollzug des Christentums, die Eucharistie, in der das „profane“ Leben und Sterben Jesu vergegenwärtigt und Impulse des Heiligen Geistes zum Leben unter den Verheißungen der Herrschaft Gottes in der Welt gewonnen werden, ist keine sakrale Handlung, in der eine Materie oder Personen „weltlos“ würden. Umso weniger können kirchliche Personen und Institutionen, die immer auch vom „Geist der Welt“ geprägt sind und das gar nicht bestreiten können, sakral werden. Die beiden Begriffe können daher zur Verdeutlichung des christlichen Welt- und Selbstverständnisses nichts beitragen.

Quelle: Herbert Vorgrimler: Neues Theologisches Wörterbuch, Neuausgabe 2008 (6. Aufl. des Gesamtwerkes), Verlag Herder

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