Trinität, Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit: Kurz erklärt

Es ist ein Gott, aber wir können ihn auf verschiedene Weise erfahren. Der erste Sonntag nach Pfingsten heißt in der Westkirche Trinitatis (von lateinisch trinitas = Trinität, Dreieinigkeit). In den orthodoxen Kirchen ist das Pfingstfest auch das Fest der Dreifaltigkeit. In der evangelischen Kirche werden die Sonntage von Trinitatis bis zum Ende des Kirchenjahrs als Sonntage „nach Trinitatis“ gezählt, während sie in der katholischen Kirche als Sonntage im Jahreskreis bezeichnet werden, zu denen neben der Zeit nach dem Dreifaltigkeitsfest auch die Sonntage zwischen dem Weihnachtsund dem Osterfestkreis gehören.

Als ich mich neulich in einer Schule den Fragen der Schülerinnen und Schüler gestellt habe, da fragten vor allem die Muslime ziemlich kritisch: „Habt ihr nun einen Gott oder drei?“ Wir bekennen Vater, Sohn und Heiliger Geist; „Trinitätslehre“ heißt das auf theologisch. Es ist ein Gott, aber wir können ihn auf verschiedene Weise erfahren. Gott ist der, den Jesus Abba nannte, an den er glaubte, dem er sich anvertraute. Es ist der Gott, der uns in den Büchern der hebräischen Bibel begegnet, die wir mit Menschen jüdischen Glaubens gemeinsam haben. Gott der Schöpfer ist der Ursprung des Lebens. Jesus Christus zeigt uns in Leben und Gleichnissen, in Reden und Sterben, wer Gott ist. Und der Heilige Geist lässt uns spüren, dass Gott existiert.

Es ist ein Gott, es sind drei Weisen, Gott zu erfahren. Als Christinnen und Christen finden wir in Jesus Christus den Weg zu Gott, durch ihn haben wir gelernt, wie Gott sich Menschen zuwendet und uns tragen will im Leben und im Sterben. Heute erfahrbar ist das durch Gottes Geist, Gott ist unter uns, wenn wir spüren: Ja, das ist mein Glaube, ja, das ist unsere Gemeinschaft. Diese drei Weisen Gottes zeigen auch: Gott ist nicht statisch, sondern dynamische Kraft. Gott in sich ist bereits ein Wesen in Beziehung und tritt deshalb auch in Beziehung zu uns.

Viele haben heute Probleme damit, sich für diese Erfahrung des Glaubens zu öffnen. Dabei gibt es gleichzeitig eine große Sehnsucht danach. Ich kann das erleben, wenn ein Gospelchor die Gemeinde begeisternd mitreißt. Wenn eine Aufführung der Matthäuspassion Menschen zu Tränen rührt. Wenn ein Gedicht mir den Atem stocken lässt. Wenn nach einer Lesung bewegte Stille herrscht. Wenn auf einem Pilgerweg die Natur zur Resonanz des Schöpfungshandelns Gottes wird. Glaube braucht Sinnlichkeit, Worte, die Fleisch werden in Tönen, Berührungen, Farben und Bildern. Und all das sind auch nur Versuche zu fassen, was wir doch nicht fassen können. Eindeutige Bilder von Gott wird es nie geben, nur menschliche Annäherungen an das nicht Greifbare.

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