Von Abstimmen bis ZutrauenPartizipationsmöglichkeiten im Kita-Alltag

Das Recht auf Partizipation ist u. a. im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) fest verankert. Diese Impulse zeigen Ihnen, welche Möglichkeiten zur Beteiligung sich anbieten.

Gelebte Partizipation erfordert von Ihnen als pädagogische Fachkraft eine wertschätzende Haltung gegenüber Kindern und Erwachsenen. Hinterfragen Sie Ihr Handeln daher regelmäßig, indem Sie sich in Gesprächen mit Ihren Kolleg(inn)en über folgende Fragen austauschen:

  • Haben Sie stets ein offenes Ohr für die Belange, Sorgen und Anliegen der Kinder?
  • Sind Sie bereit, Macht abzugeben und auf die Verantwortung der Kinder zu vertrauen?
  • Setzen Sie die Ideen und Anregungen der Kinder in die Tat um?

Transparenz und Information

Eine Voraussetzung für gelungene Partizipation im Kita-Alltag ist Information und Transparenz über das bevorstehende Tages- und Wochengeschehen. Dazu bieten sich bspw. an:

  • Sog. sprechende Wände, auf denen Kinder erkennen: Wer ist anwesend? Wo finde ich diese Personen? Welche Ereignisse stehen wann bevor? An welchen Aktionen kann ich teilnehmen? Die Kinder ordnen ihr Foto oder ein ihnen zugeordnetes Symbol zu und machen ihre eigenen Entscheidungsprozesse sichtbar.
  • Täglich wiederkehrende Morgen- oder andere Sitzkreise, bei denen Kinder und Fachkräfte gemeinsam den Tag planen und Informationen austauschen.
  • Eltern-Info-Tafeln: Eltern erhalten Einblick in den Kita-Alltag und finden relevante Informationen von Organisatorischem bis zu pädagogischem Hintergrundwissen.

Mitbestimmung

Einigen Sie sich im Team darüber, bei welchen Themen und Aktionen Sie die Kinder aktiv einbeziehen, z. B.

  • bei der Auswahl der einzelnen Komponenten eines gemeinsamen Essens,
  • bei der Gestaltung des Rollenspielbereichs,
  • bei der Anschaffung neuer Materialien, bspw. bei Geräten

für die Bewegungsbaustelle. Kinder können sich in hohem Maße als selbstwirksam erleben, wenn Sie ihnen Strukturen klar sichtbar machen und Sie ihre Ideen sowie Bedürfnisse ernst nehmen. Es fällt ihnen dann auch leichter, Grenzen ihrer Entscheidungsfreiheit zu akzeptieren.

Abstimmungsmöglichkeiten

Unterstützen Sie die Kinder dabei, ihre Meinung kundzutun, indem Sie Ihnen Möglichkeiten zur visuellen Abstimmung anbieten:

  • Auf Bildkarten mit entsprechenden Motiven, z. B. Ausflugszielen, sehen die Kinder die verschiedenen Wahlmöglichkeiten. Jedes Kind erhält einen Gegenstand, z. B. einen Bauklotz, den es vor einer Bildkarte ablegt. So können die Kinder anhand der Menge das Abstimmungsergebnis ablesen bzw. abzählen.
  • Die Kinder positionieren sich zu einer Idee bzw. Bildkarte. Wo stehen die meisten Kinder? Das Ergebnis verrät die demokratische Entscheidung.
  • Bei einer Abstimmung durch Handzeichen gewinnt das Ergebnis mit den meisten gestreckten Händen.

Fragen Sie die Kinder außerdem, welche Abstimmungsideen sie haben und probieren Sie diese gemeinsam aus.

Kinderkonferenz

Eine Kinderkonferenz ist ein Gremium, an dem meist eine Teilgruppe mit einer pädagogischen Fachkraft beteiligt ist, um etwas zu planen oder zu reflektieren (s. auch S. 24). Ein Sprechstein o. Ä. unterstützt dabei, das Gespräch zu strukturieren. Halten Sie das Ergebnis der Kinderkonferenz gemeinsam mit den Kindern schriftlich bzw. bildlich fest. Die Kinder stellen es anschließend der Gesamtgruppe vor. Die Entscheidung ist so lange für alle verbindlich, bis das Gremium diesbezüglich etwas anderes festlegt.

Beschwerden und Feedback

Nehmen Sie Beschwerden und das Feedback von Kindern sowie Eltern zu jeder Zeit wahr und ernst. Im Kita-Alltag sind Sie ständig mit Konflikten konfrontiert und nehmen diese unmittelbar zum Anlass für Lösungen. Aber es gibt auch Beschwerden, die Sie nicht sofort lösen können, wenn es bspw. um Regeln oder Rituale geht. Entwickeln Sie gemeinsam mit Kindern Beschwerdeverfahren, z. B.:

  • Eine Feedbackbox: Kinder beschreiben eine Beschwerde und diktieren sie einem Elternteil oder einer Fachkraft. Evtl. halten sie ihr Anliegen auch auf einem Bild fest.
  • Ein gewählter Kinderrat in der Kita kann die Beschwerden der anderen Kinder sammeln und in einem Gremium nach Lösungen suchen.

Die Kinder entscheiden selbst, ob sie ihre Beschwerde anonym oder persönlich einreichen.

Regeln

Regeln regeln im Kita-Alltag das Miteinander in einer Gruppe überprüfen und hinterfragen Sie regelmäßig im Team sowie im Austausch mit den Kindern, welche Regeln noch sinnvoll und zeitgemäß sind. Notieren Sie alle bestehenden Regeln auf einem großen Plakat und visualisieren Sie diese durch Fotos oder gemalte Bilder. Überlegen Sie mit den Kindern, was Ziel und Zweck der Regel ist und entscheiden, z. B. mit roten und grünen Punkten, ob sie noch sinnvoll sind. Streichen Sie veraltete Regeln und verändern bestehende, vielleicht entstehen dabei auch neue Regeln. Nach einer Erprobungsphase reflektieren die Kinder ihre Entscheidung und der Prozess beginnt möglicherweise von vorn (s. auch S. 28).

ICH KOMPETENZ

Die Kinder erfahren, dass ihre Anliegen und Bedürfnisse ernst genommen werden. Sie gestalten ihre Lebensumwelt aktiv mit und erleben sich dadurch als selbstwirksam.

SOZIALKOMPETENZ

Im gemeinsamen Prozess erleben sich die Kinder als Teil einer Gruppe, in der ihre Stimme zählt. Kinder lernen demokratische Abstimmungsmethoden kennen und erfahren, dass Mehrheiten in diesem System Entscheidungen beeinflussen.

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