Aaron weigert sich, seine Hausaufgaben zu machen

Frage aus der Praxis
© Florian Nütten

FRAGE AUS DER SCHULKINDBETREUUNG:

„Aaron (6; 8 J.) weigert sich täglich, in der Lernzeit seine Hausaufgaben zu machen. Stattdessen malt er auf seine Unterlagen oder läuft wild im Raum umher und lenkt die anderen Kinder ab. Wie können wir darauf reagieren?“ Anton Brommer (Pädagogische Fachkraft in einem Hort) 

ANTWORT DER EXPERTIN:

Bis kurz vor der Einschulung bewältigen Kinder i. d. R. wichtige Entwicklungsaufgaben, bspw. mit anderen Kindern zu interagieren, sich in eine Gruppe zu integrieren und sich an Regeln zu halten. Sie erleben, dass eigene Wünsche und Interessen mit denen anderer nicht immer übereinstimmen und dass manchmal Kompromisse nötig sind. Der Übergang von der Kita in die Grundschule und dem damit verbundenen Hort stellt für Kinder aufgrund des Wechsels in ein neues System eine große Herausforderung dar. Es gilt, sich an ein neues soziales Umfeld, neue Regeln und Rituale, einen rhythmisch und inhaltlich veränderten Tagesablauf, feste Lerngruppen und neue Bezugspersonen zu gewöhnen. Eine weitere große Umstellung ist die Erledigung von (Haus-)Aufgaben in den sog. Lernzeiten in der Schule bzw. im Hort, für deren Inhalte die Kinder nicht immer ein „natürliches“ Interesse mitbringen.
Wenn es Aaron nicht gelingt, sich an diese neuen Anforderungen anzupassen und er Mitschüler/-innen von ihrer Arbeit ablenkt, so ist es im Interesse aller Beteiligten, die Gründe dafür zu erforschen. Klären Sie zunächst mit Aaron:

  • Was gefällt ihm an den Lernzeiten, was nicht? Wie würde er sich die Lernzeiten wünschen?
  • Was braucht er, um seine Aufgaben zu erledigen, z. B. Unterstützung bei der Arbeitsorganisation oder ein ruhigeres Lernumfeld?
  • Was würde ihn motivieren, besser mitzuarbeiten, z. B. stärkere Partizipation („In welcher Reihenfolge, wie und mit wem möchtest du arbeiten?“) oder Belohnung („Nach den Aufgaben kannst du etwas tun, das dir Spaß macht“)?

Suchen Sie zudem das Gespräch mit Aarons Eltern und/oder mit seinem Klassenlehrer/seiner Klassenlehrerin, um zu klären:

  • Gibt es bei Aaron diagnostizierte Erkrankungen oder Störungsbilder?
  • Hat sich sein Verhalten in den letzten Monaten verändert?
  • Gab es einschneidende familiäre Ereignisse, z. B. Trennung der Eltern oder Tod eines Großelternteils?

Sprechen Sie mit den Eltern und dem/der Klassenlehrer/-in auch über Aarons Integration in den Klassenverband bzw. in die Lerngruppe und darüber, ob es in der Kita bzw. Schule Schwierigkeiten gab bzw. gibt. Möglicherweise hat Aaron noch nicht alle Entwicklungsschritte dieses Lebensabschnitts bewältigt. In diesem Fall könnten die Eltern ihn zu Aktivitäten anregen, die seine Planungsfähigkeit und seinen Organisationssinn fördern, z. B. nach Anleitung Modelle bauen, puzzeln oder malen. Auch Brettspiele können ihn dabei unterstützen, sich zu konzentrieren, Rücksicht auf andere zu nehmen und Misserfolge auszuhalten. Vielleicht interessiert sich Aaron auch für eine Sportart, bei der er die Bedeutung von Regeln und Teamgeist erfährt. Über einen solchen wertschätzenden Austausch vermitteln Sie den Eltern, dass Sie mit ihnen gemeinsam im Beziehungsgefüge „Hort-Elternhaus-Schule“ nach Lösungsansätzen suchen, die Aaron zu einem angemessenen Verhalten in den Lernzeiten verhelfen können.  

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