Nach eigenem MaßstabDrei Antworten von Lernpädagoge Salman Ansari

Nach eigenem Maßstab: Drei Antworten von Lernpädagoge Salman Ansari
© Christoph Röhl

In Ihren Büchern „Schule des Staunens“ und „Rettet die Neugier!“ (S. Fischer Verlag 2013) plädieren Sie dafür, konsequent beim Denken der Kinder anzusetzen. Was bedeutet das?
Salman Ansari: Es gilt zuerst einmal herauszufinden, wo sich die Kinder gerade emotional und kognitiv befinden. Welche Vorstellungen von der Welt und Denkmuster haben sie? Hierfür trete ich mit den Kindern voller Neugier in einen kreativen Dialog. Schließlich möchten auch die Kinder erfahren, wie die anderen denken und was sie bereits wissen. Kinder verfügen über ein wertvolles Wissen. Wenn ich an dieses anknüpfe, kann ich gemeinsam mit ihnen ein Vorhaben weiterentwickeln. Ich kann sie bei der Idee unterstützen, eine Fragestellung durch ein Experiment zu überprüfen.

Wenn Sie mit Kindern forschen: Wie wichtig sind strukturierte Anleitung und gedanklicher Freiraum für die Kinder?
Salman Ansari: Ein zentrales Anliegen meiner Arbeit mit Kindern ist dieses: Ich möchte ihnen ermöglichen, unterschiedliche Aspekte der Wirklichkeit durch ein selbstständiges und unbefangenes Handeln zu erfahren und diese mithilfe von individuellen Theorien bzw. Hypothesen zu interpretieren. Erst wenn ich Kindern eine Lernumgebung biete, in der sie vielfältige und selbstbestimmte Erfahrungen sammeln können, machen sie vor dem Hintergrund ihres Vorwissens eigene Entdeckungen und bleiben neugierig. Erhalten Kinder Antworten auf Fragen, die sie gar nicht gestellt haben, werden ihnen Begriffe oder Zusammenhänge erklärt, die außerhalb ihrer Denkmöglichkeiten liegen. So kann keine Neugier entstehen.

Hat naturwissenschaftliches Forschen in der Elementarpädagogik auch etwas mit Aufräumen und Chaos zu tun?
Salman Ansari:
Alle Kategorien, die einem naturwissenschaftlich forschenden Experiment zugrunde liegen, sind dem kindlichen Forschergeist fremd. Kinder entdecken ihre Welt ohne eine erkennbare Planung, Methode, Technik und Kontrolle. Kinder sind in einer anregenden Lernumgebung immerzu damit beschäftigt, ihre Welt zu erforschen. In den Köpfen der Erwachsenen existiert ein Bild von einem Forscher als höchst systematisch vorgehendem Denker und Arbeiter. Ein Kind hat dagegen das Verlangen, sich die Welt nach seinem eigenen Maßstab anzueignen.

VITA

DR. SALMAN ANSARI ist promovierter Chemiker und Lernpädagoge. Er widmet sich in seinen Publikationen u. a. dem kindernahen Lernen. Mehr Informationen unter: www.salmanansari.info

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