Ist die Bibel wahr?Mythos Wahrheit

Alles nur erfunden! Dieser Vorwurf begleitet das Christentum von Anfang an. Ein spannendes Buch über historische Zeugnisse, Lügen und die Wahrheit in Metaphern.

Fakten und Fiktionen klar zu unterscheiden, ist ein drängendes Thema schon seit der griechischen Antike. Der erste große Kritiker des Christentums, der Philosoph Kelsos, meinte bereits im 2. Jahrhundert, fast alle biblischen Geschichten und kirchlichen Überzeugungen seien erfunden. Wie antwortet man auf solche Anklagen? Was ist wahr zum Beispiel an den Kindheitsgeschichten der Evangelien und damit auch ihrer kirchlichen Inszenierungen?

Eine Stärke dieses grenzgängerisch gelehrten Autors ist es, dass er diese Grundsatzfragen induktiv angeht – also an Beispielen wie dem biblischen Zeugnis von der Verwandlung bzw. Verklärung Christi oder dem lukanischen Bericht vom Schiffbruch des Paulus (Apg 27). Aber im Hintergrund stehen genaue Überlegungen zur Eigenart des sprachlichen Umgangs mit der vergangenen und gegenwärtigen Realität. Ein Kronzeuge dabei ist – überraschend und überzeugend – Friedrich Schiller, Historiker und Dichter zugleich. „Nichts ist schwieriger als eine wahre Geschichte wahrheitsgemäß zu erzählen“, heißt es an einer Stelle. Genau jedenfalls gilt es zu unterscheiden zwischen Fakt und Fiktion, auch zwischen Symbol und Metapher. „Symbolisch ist nicht dasselbe wie fiktiv oder erfunden“, denn es bezieht sich auf Reales und muss es be-deuten. „Legendär“ heißt eben nicht „gesponnen“ oder „erfunden“; es ist weder Tatsachenbericht noch Märchen, sondern „wirklich geschehen“. Das gilt zum Beispiel für die Weihnachtsgeschichten, deren harter Kern „die Antithese der so unterschiedlichen Heilande Augustus und Christus“ ist.

Es geht hier nicht darum, ob man jedem einzelnen Urteil von Reiser zustimmt. Aber allein schon der Instrumentenkasten des genau argumentierenden, viel belesenen Gelehrten wie seine Anwendung sind ausgesprochen zielführend. Und sie fordern zu weiteren Klarstellungen heraus.

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