"Pax Christi" fordert Abschaffung des ZapfenstreichsMit der Waffe vor Gott?

Fackeln, Marschmusik, Exerzieren: Als Ehrung für den langjährigen Afghanistan-Einsatz soll es für die Bundeswehr einen Großen Zapfenstreich geben – das höchstrangige Zeremoniell der Truppe. Friedensinitiativen fordern hingegen seine generelle Abschaffung.

Wir erinnern uns: Im Juli flammte eine Diskussion darüber auf, wie man die Soldatinnen und Soldaten für ihren Dienst am Hindukusch würdigen sollte, nachdem die letzten verbliebenen Männer und Frauen fast unbemerkt im niedersächsischen Wunstorf gelandet waren, während die Verteidigungsministerin in den Vereinigten Staaten weilte. Bald einigte man sich auf einen Großen Zapfenstreich vor dem Berliner Reichstag – was Sinn ergibt, da die Bundeswehr vom Parlament demokratisch entsandt werden muss. Wegen der Not-Evakuierungen aus Afghanistan wurde das Ritual nun verschoben, aber nicht abgesagt.

Verletzte religiöse Gefühle

Das wäre allerdings der Wunsch von Friedensinitiativen. „Pax Christi“ verlangt, den Zapfenstreich gleich gänzlich aufzugeben – mehrere Organisationen und Einzelpersonen haben sich angeschlossen. Das Zeremoniell verharmlose Gewalt und sei im Blick auf die Opfer in Afghanistan unangemessen. Besonders bemäkelt wird der Choral „Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart“ als Teil des Rituals. Für Gläubige, „die sich die Gewaltlosigkeit Jesu zum Vorbild ihres Handelns genommen haben, bedeutet die Intonierung dieses Gebetes mit paralleler Präsentation der Gewehre der Soldatinnen und Soldaten eine nicht hinnehmbare Verletzung ihrer religiösen Gefühle.“

Mit bloßem Haupt

Zum einen stimmt das so nicht: Zum Choral tragen die Soldatinnen und Soldaten ihren Helm vor der Brust – Kommando: „Helm ab zum Gebet“ –, sodass sie ihre Gewehre gerade in diesem Moment gar nicht präsentieren können, selbst wenn sie wollten. Vielmehr stehen die Waffen auf dem Boden. Zusammen mit der traditionellen Ehrbezeugung der abgelegten Kopfbedeckung ist das auch eine Aussage: Vor Gott steht man in jeder Hinsicht „ungeschützt“, mit bloßem Haupt, die Waffen müssen schweigen.

Das führt zu einem grundsätzlicheren Punkt. Die äußerst restriktiv eingesetzte Bundeswehr ist ja gerade keine mörderische Wehrmacht, sondern sie soll Frieden schaffen, den Menschenrechten und dem Völkerrecht dienen. Zwar kann jeder konkrete Einsatz auch schier unlösbare moralische Zwiespalte mit sich bringen, und über den Afghanistan-Einsatz ist noch abschließend zu urteilen. Aber es ist kaum ernsthaft zu bezweifeln, dass wir die Bundeswehr brauchen und dass diese eine gute gedankliche und politische Grundlegung hat. Man muss es nicht als Verletzung christlicher Gefühle empfinden, wenn hin und wieder mit einem Gottesbezug an die Ideale unserer Soldatinnen und Soldaten erinnert wird. Man kann darin auch eine Mahnung sehen, die nicht oft genug wiederholt werden kann.

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