Leserbriefe

Alles Selbstdarsteller?

Der Artikel über die Tridentinische Messe von Jonas Mieves ist eine sehr gute Zusammenfassung des Themenkomplexes (vgl. CIG Nr. 30, S. 3). An einer Stelle möchte ich aber doch Einspruch anmelden: dort, wo es um das „Ärgernis“ von „liturgischen Eigenmächtigkeiten“ von Priestern geht, die laut Franziskus „allzu frei Teile abändern“. Damit würden sich Priester „zum Herrn über die Liturgie machen und für sich allein in Anspruch“ nehmen, „den Gottesdienst ,richtig‘ zu feiern.“ Es stimmt natürlich, dass es unter Priestern auch Selbstdarsteller gibt, die bei solchen Änderungen nur an ihr eigenes Wohlbefinden denken. Meistens ist es aber doch so, dass Priester zusammen mit den Gläubigen unter sprachlichen Formulierungen leiden, die für eine menschennahe Verkündigung höchst fragwürdig sind. Die Priester, die ich kenne und die Texte verändern, tun das in der Verantwortung für ihre Sendung und meistens mit großer Ehrfurcht und Demut.

Sr. Hildegard Schreier, München

Beichten – ohne Angst

Ich bin von dem Artikel „Beichten – echt jetzt?“ (CIG Nr. 32, S. 3) sehr berührt, auch in anderem Zusammenhang. Mir ging dabei oft unsere Ehe durch den Kopf, eine Ehe, die es mitunter recht schwer hatte, in der aber viele Aspekte zum Tragen kamen, die in diesem Artikel angesprochen werden. Wir feiern Ende August unsere silberne Hochzeit. Offenbar ist die Beichte so schwer wie eine Ehe, aber auch so notwendig.

Bernhard Frey, Karlsruhe

Der Artikel ist mir zu glatt. Die Beichte war über Jahrhunderte ein Macht- und Kontrollinstrument der Kirche; der Beichtstuhl ein Richterstuhl. Bei den einfachen Leuten herrschte pure Angst. Im Mittelpunkt stand das sechste Gebot. Wie lange wird es noch dauern, bis sich das in den Köpfen ändert?

Hubert Wurz, Wangen

Der Text setzt sich für eine „revidierte“ Form der Beichte ein. Dass er dabei bei Kindern ansetzt, ist für mich nicht nachvollziehbar. Es wird nicht deutlich, wie Begriffe der „Schuld“ und „Sünde“ so vermittelt werden können, dass sie ihre traumatisierende Wirkung nicht doch entfalten. Mir scheint, der Autor glaubt, dass ein gelungenes Setting, das Vertrauen schafft, allein genügt. Aber ein solches Setting findet sich im säkularen Raum schon immer, es ist keine neue Erfindung.

Heinrich Westphalen, Köln

Die „Reste“ des Brotes

Als ich in der Auslegung des Sonntagsevangeliums durch Andrea Riedl das Stichwort „Patristik“ las („altchristliche Literaturgeschichte“, vgl. CIG Nr. 30, S. 1), wollte ich den religiösen Leitartikel eigentlich überblättern. Doch dann hielt ich inne, weil ich dachte: Dieses augustinische Zeit-Kolorit in der Spiegelung zu unserem Jahr 2021 hat es vielleicht doch in sich. Und so war es! Die allegorische Schrift-Deutung war mir bislang nicht ganz geheuer. Aber diese Aktualisierung von Joh 6,1–15 hat mich überrascht, überzeugt und ermutigt, insbesondere die Aufforderung, die „Reste“ nicht zu vernachlässigen, sondern sich – im Gegenteil – genau um sie besonders zu kümmern: die Übrig-Gebliebenen, Achtlos-Zurück-Gelassenen, anscheinend Un-Nötigen in unserer Zeit und Nachbarschaft. Ein starkes Wort vor allem auch im Kontext des Synodalen Prozesses!

Norbert Weidinger, Eichenau bei München

Nach der Aussage des heiligen Augustinus müssen wir das Brot- und Fischwunder nicht mehr als äußeres Geschehen der wunderbaren Vermehrung von Nahrungsmitteln begreifen. Wir dürfen diese zentrale Erzählung symbolisch lesen für das Aufbrechen der harten Schale des alttestamentlichen mosaischen Gesetzes durch Jesus. Im Evangelium teilt er selbst seine Frohbotschaft an alle aus, ohne Ansehen der Person. Er droht nicht und verlangt keine moralischen Klimmzüge als Vorleistung. Die bedingungslose Zuneigung Gottes spricht er allen zu, vor allem den Ausgegrenzten, Armen, Notleidenden, Schwachen und Kranken, deren Hunger nach Leben auch heute noch besonders heftig ist. Und alle können davon richtig satt werden. Die Jünger erhalten den Auftrag, die übrig gebliebenen Stücke einzusammeln, damit nichts verdirbt von der überreichen Fülle der nahrhaften Botschaft Jesu. Diese überfließende Fülle reicht für alle, die zwölf Stämme Israels, das ganze Volk damals. Sie reicht auch noch für uns heute. Auch wir können davon satt werden, wenn wir nichts verderben lassen. Das heißt, es liegt an uns, die in Fülle vorhandene Frohbotschaft Jesu so unter die Menschen zu bringen, dass diese Zusage Jesu nicht zurückgenommen wird und nicht verschimmelt.

Marliese und Günter Siener, Landau in der Pfalz


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