Andreas G. WeißVom Lachen lernen

Ein Glaube, der sich der bedrängenden und mitunter prekären Selbsterkenntnis der eigenen Lächerlichkeit stellen kann, wird aber in der menschlichen Fähigkeit des Lachens, sowie im Humor ein zutiefst produktives Korrektiv sehen, mit dem selbst in der verletzenden Form der Beleidigung und Erniedrigung ein Schritt zur tieferen Selbst-, Welt- und Gotteserkenntnis gegeben ist. Eine solche Form von Theologie, Glaube und Kirche wird den Widrigkeiten der Geschichte nicht ausweichen…

In den Brennpunkten menschlichen Humors konstituiert sich ein kreatives Schaffen, eine Dynamik, die den Geschöpfen von der Ereignishaftigkeit Gottes zeugt und sie selbst als Teil dieser lebendigen Beziehung von der Perspektive der Andersheit in den Blick nimmt. Eine Religiosität, die sich dem Lachen als Korrektiv aussetzen kann, wird in ihm neue Räume des Glaubens finden und kann sich auf diese Weise selbst der Vielfalt der Geschichte immer wieder von neuem annehmen.

Andreas G. Weiß in: „Ausgelacht!? Glaube und die Grenzen des Humors“ (Herder, Freiburg 2021)

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