InklusionWelche Erlösung?

„Menschen mit Behinderungen müssen nicht von ihrem Leid erlöst werden, sondern von dem Leid, das Menschen verursachen, die ihnen ein gutes und selbstbestimmtes Leben wegen ihrer körperlichen oder mentalen Einschränkungen verwehren“.

Nach der Tötung von vier Menschen mit Behinderung in einem Wohnheim in Potsdam wurde als mögliches Motiv diskutiert, die Täterin habe „die Leute erlösen wollen, von Leiden, die vielleicht unheilbar sind“ (so ein Polizeipsychologe). Dass eine solche Erklärung „nicht als abwegig empfunden“ wird, kritisiert die Berliner Autorin Julia Latscha. „Menschen mit Behinderungen müssen nicht von ihrem Leid erlöst werden, sondern von dem Leid, das Menschen verursachen, die ihnen ein gutes und selbstbestimmtes Leben wegen ihrer körperlichen oder mentalen Einschränkungen verwehren“, schreibt sie auf „Zeit online“.

Die Rede von Erlösung als Tatmotiv mache die verbreitete negative Sicht auf Behinderung deutlich. „Ein Leben scheint nur dann wertvoll zu sein, wenn ein Mensch ohne Behinderung einem Leben mit Behinderung einen Wert gibt. Wenn er es aber auslöscht, kann das immerhin ‚gut gemeint‘ gewesen sein.“ Julia Latscha endet persönlich: „Meine Tochter sitzt im Rollstuhl, sie ist auf permanente Hilfe angewiesen und glücklich.“

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