EditorialMainstream und Gottes Stream

Ja, es gibt auch einen guten Mainstream!

Eine Satire-Seite flüchtete sich in Sarkasmus. „Innerhalb weniger Tage haben sich deutschlandweit mehr als 80 Millionen YouTube-Virologen zu hochkompetenten Nahost-Experten umgeschult“, hieß es beim „Postillon“. In der Tat: Das Drama, die Eskalation der Gewalt, der Krieg – wie soll man es nennen? – in Nahost, im Heiligen Land ist entsetzlich. Aber schlimm ist auch, dass so viele nun meinen, sich dazu äußern zu müssen, und zwar in Form von einseitigen Schuldzuweisungen oder gar Schlimmerem. Auch aus dem kirchlich-christlichen Umfeld gibt es leider immer wieder Wortmeldungen, die wenig differenzierend und ausgewogen sind. Das ist emotional vielleicht verständlich, wenn man berücksichtigt, wie sehr gerade das christliche Herz an dieser Region hängt. Hilfreich ist es trotzdem nicht. Bei uns kommt eine andere Stimme zu Wort. Hier äußert sich einer, der wirklich weiß, wovon er redet, weil er mittendrin in der Konfliktzone lebt, Markus Bugnyár, der Rektor des Österreichischen Hospizes zur Heiligen Familie in Jerusalem.

Keine zwei Meinungen gibt es zu dem Judenhass, der sich auf deutschen Straßen artikuliert. Antisemitismus, ja auch importierter Hass, sind nicht hinzunehmen. Dies sei gerade jenen gesagt, die aus Lust und aus Prinzip gegen jede Form von „Mainstream“ wettern (um im nächsten Atemzug paradoxerweise eine Leitkultur zu fordern). Eine solche Debatte hat in anderem Zusammenhang vor einiger Zeit Deutschlands erstes Boulevardblatt „Bild“ erlebt, das gerne bewusst mit dem Anti-Mainstream flirtet – dadurch aber oft Grenzen überschreitet. Es ist schon oft gesagt worden: Gerade die sozialen Netzwerke fördern in dieser Hinsicht oft das Schlechte im Menschen zutage. Das war bisweilen selbst beim Ökumenischen Kirchentag zu spüren, der ja vor allem digital stattfand. Dabei wurde manchmal aus der vermeintlichen Anonymität des Internets in einem Ton kommentiert, der vor Ort, in Präsenz, hoffentlich nicht salonfähig ist.

Ja, es gibt auch einen guten Mainstream! Ich bin zum Beispiel dankbar, dass es hierzulande bei allen Demokraten Konsens ist, uneingeschränkt solidarisch mit Menschen jüdischen Glaubens zu sein. Dass man, wenn nötig, die Politik Israels kritisieren muss, hat damit nichts zu tun. Auch wenn es ein frommer Wunsch bleibt: Suchen wir den guten Mainstream! Als Christen stellen wir uns – gerade an Pfingsten – in den erfüllenden, belebenden Stream Gottes. Lassen wir uns vom Heiligen Geist inspirieren!

Verlag und Redaktion wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, frohe und gesegnete Pfingsten!

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