Die Glaubenskongregation übernimmt: Keine Ausnahmen mehr für Traditionalisten

Hat die Geduld mit den Piusbrüdern ein Ende? Der Wiener Dogmatikprofessor Jan-Heiner Tück will jedenfalls einen päpstlichen „Strategiewechsel“ im Umgang mit der traditionalistischen Gemeinschaft erkennen. Der Theologe macht dies daran fest, dass Papst Franziskus soeben die vatikanische Kommission „Ecclesia Dei“ aufgelöst hat, die für die Verhandlungen mit der Piusbruderschaft zuständig war. Künftig ist das Thema bei der Glaubenskongregation angesiedelt, wie alle anderen Streitfragen in der kirchlichen Lehre. Es gibt keine bevorzugte Ausnahmebehandlung der Piusbrüder mehr. Dies sei mehr als ein formaler Vorgang, erklärte Tück jetzt im Interview mit der österreichischen Agentur „Kathpress“. Es stelle „das Ende der päpstlichen Charmeoffensive“ dar.

„Ecclesia Dei“ war bereits 1988 von Johannes Paul II. eingesetzt worden, um die abtrünnigen Traditionalisten wieder in die Kirche einzugliedern. Die Verhandlungen blieben jedoch bis heute ohne konkretes Ergebnis. Vor allem Benedikt XVI. wurde vorgeworfen, den ultrakonservativen Piusbrüdern zu viele Zugeständnisse zu machen, indem er etwa die Feier der außerordentlichen Form des römischen Ritus in großem Umfang ermöglichte und die Exkommunikation der vier unerlaubt von Marcel Lefebvre geweihten Bischöfe aufhob. Auch Franziskus I. ging der traditionalistischen Gemeinschaft bis zuletzt weit entgegen.

Nun also womöglich der Kurswechsel. Die Überführung der Angelegenheit an die Glaubenskongregation deutet Jan-Heiner Tück als Zeichen, dass der Papst in Lehrfragen „keine faulen Kompromisse“ eingehen, insbesondere keine Relativierung des Zweiten Vatikanischen Konzils durch die Traditionalisten zulassen werde. Diese lehnen dessen zentrale Aussagen nach wie vor ab, darunter die Ökumene, die interreligiöse Öffnung der Kirche sowie die Religions- und Gewissensfreiheit im säkularen Staat. Tück wörtlich: „Man kann nicht mit den Piusbrüdern die Juden weiterhin als ‚Gottesmörder‘ bezeichnen und gleichzeitig mit dem Konzil die freundschaftlichen Beziehungen mit den ‚älteren Brüdern im Glauben‘ ausbauen wollen.“

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