Die Welt mit den Konzernen entwickeln – nicht gegen sie

„Diese Wirtschaft tötet.“ Für diesen Satz in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ ist Papst Franziskus von vielen Globalisierungsgegnern und Kritikern des herrschenden Finanzsystems gelobt worden. So mancher entdeckte plötzlich die Kirche als vermeintliche Partnerin, weil sie seiner eigenen Ablehnung des Kapitalismus zu entsprechen schien. Dabei wollte Papst Franziskus mit seiner Aussage bestimmt nicht pauschal das gesamte Wirtschaftssystem verurteilen. Das gibt Cornelia Richter zu bedenken. Sie ist Vizepräsidentin des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), einer Einrichtung der Vereinten Nationen zur Finanzierung von Kleinbauern. „Er hatte sicherlich bestimmte negative Beispiele vor Augen“, erklärte sie im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur. „Der Papst ist viel zu differenziert, als dass er nicht um den größeren Kontext wüsste.“

Es sei grundsätzlich falsch, in vorgefertigten Denkmustern zu verharren, mahnte Cornelia Richter. „Etablierte Feindbilder helfen uns nicht weiter.“ Dies gelte insbesondere im Kampf gegen den Hunger weltweit. Hier könne man nur gemeinsam mit internationalen Großkonzernen erfolgreich sein – und nicht gegen sie. Der Privatsektor spiele sogar „eine entscheidende Rolle“. Denn er betätige sich nicht nur als Geldgeber, sondern sei „teilweise auch Hüter der Technologie. Und ohne innovative Technik werden wir nicht zeitnah die nötigen Fortschritte machen.“

Selbstverständlich könne man nicht „blind“ mit allen Konzernen zusammenarbeiten. Denn es gebe durchaus Fälle, in denen Unternehmen die Profitorientierung an die erste Stelle setzen und die Interessen der Bevölkerung mit Füßen treten. Ja, manche Firmen würden in der Tat „ausbeuterische Bedingungen zur Grundlage von Produktion“ machen. Diese Haltung sei aber die Ausnahme. „Wir wissen aus einer Studie, dass neun von zehn multinationalen Unternehmen die UN-Entwicklungsziele als wichtige Basis betrachten.“ Cornelia Richter weiter: „Wenn man klare Prinzipien hat, muss man keine Angst vor dieser Art der Kooperation haben.“

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