Sexueller Missbrauch: Jetzt auch Taizé

Auch von Brüdern der Gemeinschaft von Taizé sind Jugendliche sexuell missbraucht worden – zwischen den fünfziger und den achtziger Jahren. Entsprechende Hinweise wurden soeben öffentlich gemacht. Wie der Prior der ökumenischen Communauté, Frère Alois Löser, mitteilte, wurde in Rücksprache mit den – soweit bisher bekannt – fünf Opfern, die sich teilweise bereits vor mehreren Jahren an die Gemeinschaft gewandt hatten, die Staatsanwaltschaft informiert.

Auf die Frage von KNA, warum die Übergriffe so lange unentdeckt geblieben sind beziehungsweise warum man sie erst jetzt öffentlich macht, wenn es doch schon seit langem Hinweise gab, erklärte Frère Alois: „Es ging mir zuallererst darum, den Betroffenen zuzuhören und ihren Worten Glauben zu schenken. Wir wollten zeigen, dass wir das ernstnehmen, was ihnen widerfahren ist. Gleichzeitig wollten die Betroffenen ihrerseits nicht an die Öffentlichkeit gehen. Aber mir ist mit der Zeit klar geworden, dass wir es nicht dabei bewenden lassen dürfen. Wir schulden es den Opfern und ihren Familien wie auch allen, die uns Vertrauen schenken und mit Jugendlichen zu uns kommen, dass wir darüber sprechen.“

Zwei der beschuldigten Brüder seien bereits vor ungefähr fünfzehn Jahren gestorben. Ein weiterer lebt noch in Taizé, darf sich aber nicht mehr an der Organisation der Jugendtreffen beteiligen. Durch die Vorfälle fällt möglicherweise ein gewisser Schatten auch auf den integren, von nicht wenigen als heiligmäßig verehrten Gründer der Gemeinschaft, Frère Roger, der in dem damaligen Zeitabschnitt Prior war.

Frère Alois äußerte sich auch zur Frage, inwiefern die Missbrauchsfälle den Anspruch von Taizé beschädigen, ein offener und unbeschwerter Ort des Gebets und der Begegnung von Jugendlichen aus aller Welt zu sein: „Es stimmt, dass uns sehr viele Jugendliche großes Vertrauen entgegenbringen. Umso schwerer wiegen diese Fälle in der Vergangenheit. Aber wir sind überzeugt, dass wir nur durch einen offenen Umgang mit den Ereignissen diesem Vertrauen gerecht werden. Das kann vielleicht auch dazu beitragen, Taizé und uns Brüder nicht zu idealisieren.“

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