Ärzte sollten auch Seelsorger sein

Die „Befriedigung spiritueller Bedürfnisse“ ist nicht nur bei der Behandlung schwerstkranker und sterbender Patientinnen und Patienten wichtig, sondern sollte möglichst vielen Erkrankten zugutekommen. Darauf weist der Präsident der „Katholischen Ärztearbeit Deutschlands“, Rudolf Giertel, hin. „Ich möchte Ärzte und Ärztinnen ermuntern, sich dieser Aufgabe nicht von vornherein zu entziehen, da ich glaube, dass dadurch das Arzt-Patienten-Verhältnis eine deutliche Bereicherung erfahren könnte“, sagte Giertler auf der Jahrestagung seines Verbands. Eine erste Anlaufstelle bei Ängsten oder bedrückenden Fragen sei oft der (Haus-)Arzt. „Weichen wir solchen Fragen aus und verweisen die Patienten allzu schnell an Psychologen oder Krankenhausseelsorger, dann fühlen sich diese Patienten zunächst alleingelassen.“

Giertel hat festgestellt, dass viele Ärztinnen und Ärzte sich bei seelischen Problemen als nicht kompetent erachten und deshalb unsicher sind. „Manchmal mag es auch Angst sein, sich von existenziellen Fragen der Patienten berühren zu lassen, da man diesen bisher selbst ausgewichen ist.“ Er denke aber, dass „uns unsere Patienten mehr Spiritualität zutrauen, als wir es selbst wahrhaben wollen“. Giertler ermutigt dazu, diese Barriere zu überwinden, um sich auf einen Dialog einlassen zu können. Hierfür nennt er auch den Begriff „ärztliche Seelsorge“. Damit wolle er aber nicht die Bedeutung von Krankenhausseelsorgern und Psychologen infrage stellen. „Christliche Spiritualität kann in der Gewissheit, von einem liebenden Gott angenommen und in Krankheit und Leiden begleitet zu sein, viel Tröstliches beinhalten.“

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