KreuzdebatteÖffentliches Kreuz

Der Streit über die Kreuze in Bayern irritiert. Warum soll eine Regierung, ein Land, ein Staat nicht bekunden dürfen, was die religiöse Identität seiner Mehrheitsbevölkerung ausmacht?

Hurra, wir kapitulieren!“ heißt ein Buch des Publizisten Henryk M. Broder über die deutsche „Lust am Einknicken“. Gemeint ist die Unfähigkeit oder der Unwille, geistige, kulturelle, gesellschaftliche Errungenschaften zu verteidigen aus Sorge, „die Anderen“ zu brüskieren. Auch die heftige Debatte, ob laut einem bayerischen Kabinettsbeschluss Kreuze in Eingangsbereichen von Amtsbehörden aufgehängt werden dürfen, erinnert ein wenig an Broders Argumentation. Warum soll eine Regierung, ein Land, ein Staat nicht bekunden dürfen, was die religiöse Identität seiner Mehrheitsbevölkerung ausgemacht hat und weiter ausmacht? Der Glaube an Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi hat unser Gemeinwesen in Verantwortung vor Gott und den Menschen grundiert. Die Hoffnung auf das ewige Leben wurde vielen zur Kraft für Recht und Gerechtigkeit, um sich auch im gesellschaftlichen, politischen Leben zum Wohl aller einzusetzen, auch jener, die nicht glauben oder die anders glauben als die Christen.

Irritierend ist, dass etliche katholische Bischöfe sich wie die Kirchengegner vehement gegen den Kreuzerlass aussprechen, statt sich darüber zu freuen und anzuerkennen, dass es in diesem Land anscheinend doch noch Politiker gibt, die sich nicht damit begnügen, Floskeln vom christlichen Menschenbild im Mund und im Parteiprogramm zu führen. Haben die Bischöfe Angst vor dem Mut zur eigenen Wahrheit? Interessant ist, dass von evangelischer Seite eher Verständnis für das Kreuz kommt. Vielleicht weil der Protestantismus mit Bezug auf Paulus eine handfestere Kreuzestheologie der Rechtfertigung des sündigen Menschen allein durch Christus kennt als die katholische Überlieferung.

Nicht zu übersehen ist auch, dass viele Bürger zusehends beunruhigt sind darüber, dass das Christliche immer weiter aus der Öffentlichkeit abgeschoben, entsorgt, in die Nische der puren Privatheit hinein domestiziert werden soll, während der Islam sehr selbstbewusst und symbolstark – allein schon durch die vielen kopftuchtragenden Frauen – öffentlich in Erscheinung tritt. Muss sich das Christentum verstecken aus falscher Bescheidenheit? Dem starken christlichen Symbol der Todesüberwindung, der Erlösungshoffnung haben auch Politik und Verwaltung in unserer Kultur viel zu verdanken. „Das Reich Gottes ist nicht indifferent gegenüber den Welthandelspreisen“, formulierte einst der bedeutende Protagonist einer neuen politischen Theologie, Johann Baptist Metz, im Blick auf die Armen und Leidenden der Welt. Plötzlich zaudern wir, obwohl Christsein auch politisch etwas Befreiendes ist. Für die Freiheit hat uns Christus freigemacht. Es gibt keinen Grund, in diesem Glauben, der das Wohl einer ganzen Kultur konstituiert hat, zu kapitulieren.

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