Mansour: Mehr Redlichkeit in der Islam-Debatte

Der Psychologe und Muslim Ahmad Mansour wünscht sich eine realistischere Einschätzung des Islam in deutschen Debatten. Angesichts der Polemik gegen Horst Seehofer, der erklärte, warum er den Islam als nicht zu Deutschland gehörend beurteile, sagte Mansour in der „Welt“: „Ich finde es genauso unfair, dass Angela Merkel und Christian Wulff mit ihren Mantras, der Islam gehöre zu Deutschland, als die fortschrittlichen und moralisch-toleranten Stimmen dargestellt werden. Ihre Position ist genauso pauschalisierend und undifferenziert.“

Terroranschläge machen vielen Menschen Angst. Dazu kommen Muslime, die versuchen, Sonderrechte für ihren Glauben durchzusetzen. „Das sind etwa Lehrerinnen, die ihr Recht einklagen wollen, mit Kopftuch zu unterrichten. Eltern, die ihre Kinder vom Schwimmunterricht entbinden möchten. Moscheen, die zur Bühne für Hassprediger und ausländische Politik werden.“ So entstehe ein Gefühl der Überfremdung, so Mansour. Dazu kämen politische Verbände und Moscheen, die die Ursachen von Radikalisierung nicht benennen können. „Stattdessen hört man immer wieder nur: Das hat nichts mit dem Islam zu tun. Da muss man sich über Ablehnung nicht wundern.“ Man müsse klar sagen, dass der fundamentalistische Islam nicht zu Deutschland gehört.

Leider sei in Deutschland meist der politische Islam der Ansprechpartner der Politik. Dabei gebe es viele „schweigende“ Muslime, die ihrem Glauben keine politische Dimension geben oder gar nicht regelmäßig praktizieren. Diese Menschen dürfe man in der Diskussion nicht vergessen. Ein Islam, der Demokratie und Menschenrechte klar befürwortet und sich nicht isoliert, könne durchaus dafür sorgen, dass die Muslime in Deutschland ankommen.

Mansour äußerte sich dankbar, dass die Debatte über den Islam in Deutschland jetzt geführt wird. „Wir brauchen eine ehrliche Debatte um Glaubensinhalte, Strukturen und die Zukunft des Zusammenlebens.“ Es gehe um die Frage, wie man Muslime für die Demokratie begeistern und zu einem Teil von Deutschland machen kann.

Anzeige
Anzeige: Greshake

Der CiG-Newsletter

Ja, ich möchte den kostenlosen CIG-Newsletter abonnieren und willige somit in die Verwendung meiner Kontaktdaten zum Zwecke des eMail-Marketings des Verlag Herders ein. Dieses Einverständnis kann ich jederzeit widerrufen.